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Handwerk mit allen Sinnen - Ein Besuch bei der Illustratorin Petra Lefin

Publiziert am 01.11.2011 von Petra Lefin
Die Illustratorin Petra Lefin entwirft den Propheten mit wenigen Bleistiftstrichen für die alttestamentlichen Mini-Bücher des Don Bosco Verlags. Sieben biblische Geschichten, in denen Menschen der Bibel spannende Abenteuer und Aufgaben zu bestehen haben, bebildert sie in aufwendiger Handarbeit. „Für mich ist wichtig, dass die Figuren liebenswert sind und dass sie das alttestamentliche Leben widerspiegeln“, erzählt die 43-Jährige. Bis die Figur Jona als Bleistiftskizze auf dem Blatt Papier entstehen kann, ist von Petra Lefin jede Menge Vorarbeit zu leisten, die nicht zu sehen ist: Sie blättert in Geschichtsbüchern, die das Leben zur Zeit des Propheten erklären und beschreiben. Sie recherchiert, welche Gewänder die Menschen damals trugen, wie typische Häuser aussahen, in welcher Umgebung sie lebten. „Und dann gehe ich meistens mit meinem Hund spazieren und überlege, wie ich mir selbst Jona oder eine andere biblische Figur vorstelle“, erzählt die 43-Jährige, die in Herrsching am Ammersee wohnt. Allein für den Propheten Jona wanderte sie mehrere Stunden entlang der Ammer. Die Natur inspiriert die gebürtige Münchnerin. Deswegen könnte sie auch nicht mehr zurück in die Stadt ziehen. „Bei einer Bergtour oder einem Spaziergang entwickle ich meine Figuren. Bis eine konkrete Idee geboren ist, kann es manchmal nur ein paar Stunden aber auch einige Tage dauern.“

Illustration - Handwerk mit allen Sinnen

Zur Illustration kam Petra Lefin über Umwege. Sie absolvierte ein Graphikstudium und entwarf anschließend einige Jahre Broschüren, Prospekte und Faltblätter für Unternehmen. Doch schon bald merkte sie, dass ihr die Arbeit am Computer zu steril ist und ihr ihre eigentliche Leidenschaft, die Malerei, fehlt. „So habe ich mich doch noch für ein Kunststudium entschieden“, erzählt sie. „Ich mag das Handwerk, weil es authentisch ist. Und man kann dabei nicht mogeln.“ Mit gebeugtem Rücken sitzt sie an ihrem Schreibtisch in der Küche, aus den Boxen tönt Jazzmusik. Ihr Arbeitsplatz ist mit Skizzen, Farbtöpfen und Buntstiften übersät. „Zeichnen ist für mich Handwerk mit allen Sinnen. Ich mag es, wie die Farben riechen, den Klang der Stifte, wenn ich eine bestimmte Farbe suche“, sagt sie. „Nur am Computer könnte ich nicht mehr arbeiten.“ Mit der Grobskizze von Jona ist sie nach einigen Änderungen zufrieden. Jetzt kommt der aufwendigste Teil, das Reinzeichnen. Dabei entstehen Details wie Gesichtsausdruck und Hände. Immer wieder radiert sie die Gesichtspartie von Jona und ändert Kleinigkeiten ab. „Diese Phase ist deshalb so aufwendig, weil man sich nun die Details überlegt. Welchen Gesichtsausdruck soll er haben? Gefällt er mir so? Wie ist die Körperhaltung, wie sehen seine Hände aus?“ erklärt sie. Erst wenn ihr alles gefällt könne sie beginnen, die Skizze mit Kugelschreiber auf den Zeichenblock zu pausen. „Dieser Schritt ist reine Kopierarbeit. Aber würde ich die Skizze abzeichnen, könnten sich Kleinigkeiten wie der Ausdruck wieder verändern.“
 

Aufwendige und liebevolle Handarbeit

Für den Don Bosco Verlag illustriert die Künstlerin seit 2004 vor allem Heilige und biblische Figuren. „Man muss schon eine Verbindung haben, zu dem was man macht“, erklärt Lefin. „Bei Jona habe ich an meinen Religionsunterricht gedacht. Wie stellte ich mir damals Jona in seiner verzwickten Situation vor.“ Die einzelnen Szenen für das Buch entstehen wie ein Film. Erst wenn es von jeder Szene eine Reinzeichnung gibt, kommt für die Künstlerin der schönste Teil ihrer Arbeit: die farbige Umsetzung der Bilder. Sie mischt Aquarell, Temperar, Buntstifte und Pastellkreide, um die Stimmung auf den Bildern einzufangen. Immer wieder probiert sie die Farben aus, verändert die Farbe des Meeres, in das Jona geworfen wird, von Blautönen wieder mehr ins Grünliche. „Die Szene, in der Jona im Meer neben dem riesigen Wal schwimmt ist für Kinder sehr bedrohlich. Die Farben müssen einerseits die Angst von Jona widerspiegeln, andererseits darf es für die Kinder nichts Unheimliches haben“, erklärt sie.
 
Mehrere Tage sitzt sie an ihrem Schreibtisch, bis alle Szenen für ein Buch in aufwendiger und liebevoller Handarbeit entstanden sind. Immer wieder ändert sie Gesichtsausdruck oder Farbe. Denn die verschiedenen Bilder einer Geschichte müssen in sich stimmig sein, dürfen sich aber auch nicht zu sehr ähneln. Und erst wenn der letzte Farbtupfer sitzt wechselt Petra Lefin von ihrem Arbeitstisch an den Computer. Sie setzt sich auf den überdimensionalen Holzstuhl, ihre Abschlussarbeit an der Kunsthochschule, und scannt die auf Pappe gemalten Kunstwerke ein. Der Prophet Jona erscheint mit weit aufgerissenen Augen in leuchtenden Farben auf dem Bildschirm. Die Künstlerin ist zufrieden, das erste Büchlein ist illustriert.

Elisabeth Tyroller
Petra Lefin zeichnet. Petra Lefin zeichnet Petra Lefin zeichnet.
Petra Lefin

Petra Lefin

Petra Lefin, Grafikerin, hat mit ihrem unverwechselbaren Stil bereits zahlreiche pädagogische Fachbücher, Kamishibai-Bildfolgen und die beliebte Mini-Buch-Serie der Don ...
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