Kindergarten, Kinderkirche, Kita | 3 bis 6-Jährige

Jesu gewaltsamer Tod – ein Thema für den Kindergarten?

Publiziert am 07.02.2012 von Monika Arnold
Die Antwort auf diese im Titel gestellte, provokante Frage müsste meines Erachtens mit einem Nein beantwortet werden.

Wenngleich ich durchaus der Meinung bin, dass der Leidensweg Jesu und sein Tod am Kreuz im Kindergarten schon behandelt werden können und auch behandelt werden sollten. Lassen Sie mich diese zunächst widersprüchlich wirkenden Aussagen erklären.

Reduzieren wir das Leben Jesu auf seine Hinrichtung am Kreuz, so werden wir weder der Botschaft dieses außergewöhnlichen Lebens noch der Zusage Gottes, die sich für uns im Kreuzestod Jesu Christi auftun möchte, gerecht. Die Botschaft unseres christlichen Glaubens liegt in Jesu Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung. Das zeigt sich unter anderem in der Feier des Kirchenjahres. Wenn wir also unseren Kindern die Botschaft unseres christlichen Glaubens vermitteln möchten und wir den Kindern ermöglichen wollen, dass dieser Glaube für sie zu einer Quelle des Lebens werden kann, so dürfen wir diese göttliche Gesamtkomposition nicht auf ein Stück, den Tod, reduzieren.

Jesus liebt das Leben und die Menschen

Beginnen wir also vielmehr damit, Jesu Leben und dessen Charakteristika den Kindern vorzustellen. In der Weihnachtserzählung können die Kinder im Kindergarten erfahren: Gott hat sich in Jesus klein gemacht, er kommt als kleines Kind auf diese Erde, damit er den Menschen nahe sein kann. Schon darin zeigt sich Gottes große Liebe zu uns Menschen, und Jesus wiederholt diese göttliche Liebeserklärung unzählige Male in und durch sein Leben und Handeln. In vielen biblischen Erzählungen, die wir den Kindern im Laufe des Kindergartenjahres erzählen, lernen die Kinder Jesus als jemanden kennen, dem man vertrauen kann: Ausgehend von der Weihnachtsgeschichte eignen sich als Inhalte z.B. die Stillung des Seesturms, die Heilung des blinden Bartimäus, die Kindersegnung und viele mehr sehr gut für kleine Kinder. Denn sie erleben die Art und Weise, wie Jesus auf Menschen und insbesondere auf Kinder zugeht, wie Menschen mit ihm in Beziehung treten und heil werden an Leib und Seele, wie Menschen durch ihn ganz neue Möglichkeiten für ihr Leben entdecken… So werden die Kinder mit Jesus vertraut – und lernen ihn als einen kennen, der das Leben und die Menschen liebt!

Jesus widerfährt Leid und Gewalt

Zu diesem Leben gehört aber auch, da gebe ich der Titelfrage Recht, der gewaltsame Tod, den Jesus erleiden musste. Leid und Tod, zwei Bereiche, die unausweichlich mit dem menschlichen Leben verbunden sind. Gerne möchten wir uns selbst, Menschen die wir lieben und die uns nahe stehen und auch unsere Kinder vor Leiderfahrungen bewahren. Doch die Realität zeigt, dass dies nicht immer möglich ist. So machen oft schon kleine Kinder Erfahrungen von Trennung, Trauer, Angst, Alleinsein – von Leid. Dort, wo es uns unmöglich ist, Menschen vor leidvollen Erfahrungen zu schützen, dort gilt es, sie stark zu machen für den Umgang mit ihrem Leid. Der Blick auf Jesus kann uns in eben diesem Bestreben hilfreich sein.

Jesus erlebt: Gott geht immer mit

Denn Jesus erfährt Erlösung aus seinem Leiden. Nicht direkt und unmittelbar, doch auf wunderbare göttliche Weise. Und so können und dürfen wir den Tod nicht thematisieren, ohne den Blick auf die Auferstehung zu richten. Jesus hält in tiefster Not an seiner Überzeugung, an seinem Vertrauen zu seinem Vater, an seinem Glauben an Gott fest. Und was er erfährt, ist die Botschaft, von der ich glaube, dass sie auch unsere Kinder für das Leben mit all seinen Facetten stark und mutig machen kann: Das Leben wird immer siegen, denn Gott ist machtvoll und er geht mit, was immer auch passiert!

Verstehen wir es also, dem gewaltsamen Tod Jesu behutsam und unaufgeregt in der göttlichen Gesamtkomposition des Lebens, Sterbens und der Auferstehung Jesu eine Stimme zu geben, wird er unsere Kinder weder verschrecken noch zur Verherrlichung von Gewalt anregen. Er wird vielmehr seinen Beitrag dazu leisten, die Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus zeigt, die ewige göttliche Liebeserklärung an uns Menschen, zum Klingen zu bringen. Wenn die Kinder also im Laufe des Kindergartenjahres in Jesus den kennengelernt haben, der das Leben liebt und dem man vertrauen kann, können sie an Ostern, oder eben dann, wenn Leid  und Tod ein Thema im Kindergarten wird, auch von seinem Tod und seiner Auferstehung als mutmachende und lebensbejahende Botschaft erfahren.

So möchte ich abschließend die Titelfrage ein wenig umformulieren. Jesu Leben, sein gewaltsamer Tod und seine Auferstehung - ein Thema für den Kindergarten? „Ja – unbedingt!“

Monika Arnold und Anna Rieß-Gschlößl
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Monika Arnold

Monika Arnold

Monika Arnold, Fortbildungsreferentin für Religionspädagogisches Arbeiten im Elementarbereich in der Erzdiözese München und Freising. Schwerpunkte: Religionssensible ...

Kommentare (1)

15.03.2012, 11:44 Uhr
Emma Becker
Danke für diesen Beitrag. Ich habe regelmäßig von den Eltern die Nachfrage, ob wir denn wirklich in der Fastenzeit auch über das gewaltsame Sterben von Jesus sprechen müssen...
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