Kindergarten, Grundschule, Kinderkirche, Katechese, Kita | 3 bis 6-Jährige, 6 bis 10-Jährige
Kinder erleben Gottes Haus
Publiziert am 30.03.2012 von Christina Tangerding
Es ist Samstagvormittag, Simon und Anne sind mit ihrer Mutter in der Fußgängerzone unterwegs und wollen Kleidung kaufen. Sie kommen an dem großen Platz vor der Kirche vorbei. Da beginnen die Glocken zu läuten, es ist elf Uhr. „Kommt, lasst uns reingehen“, schlägt die Mutter vor. „Habt ihr Lust?“ Die drei öffnen die schwere Tür und treten ein. Plötzlich ist es dämmrig und kühl. Der Lärm der Straße ist kaum noch zu hören, und ein ganz besonderer Duft liegt in der Luft. Die Kinder gehen nach vorne und betrachten die großen, bunten Fenster, durch die das Sonnenlicht fällt. Dann erkunden sie die Heiligenfiguren, die an den Seitenwänden des Kirchenschiffs auf Säulen stehen. Die Mutter gibt Simon und Anne flüsternd Auskunft über alles, was sie wissen wollen. Zwanzig Minuten lang erforschen die Kinder fasziniert die Figuren, Bilder und Gegenstände. Dann geht es wieder nach draußen, hinein in den Trubel der Stadt.
Kleinkinder erobern Stück für Stück ihr Umfeld und bewegen sich zunehmend selbstständiger und vertrauter in ihrem Aktionsradius. Neben Kindertageseinrichtung, Ärzte- und Geschäftshaus, Feuerwehr, Rathaus und vielem anderen mehr gehört auch die Kirche zur Umgebung. Das Kirchengelände ist ein Begegnungsplatz. Hier laufen die Hauptverkehrsadern entlang, hier treffen sich Menschen auf ihren alltäglichen Gängen. Die Kirche und der Kirchplatz mit Sitzbänken, Grünflächen und Infokästen sind ein Treffpunkt für Jung und Alt, für verschiedene Generationen, mitunter auch für Lebende und Verstorbene: Ist die Kirche umgeben von einem Friedhof, wird erlebbar, wie auch die Verstorbenen Teil unseres jetzigen Lebens sind.
Das Kirchengebäude wirkt nicht allein durch seine Größe auf die Kinder, sondern befindet sich in den meisten Fällen auch an einem zentralen Ort. Auf Luftaufnahmen lässt sich gut erkennen, dass die Kirche buchstäblich der Mittelpunkt eines Dorfes oder eines Stadtviertels ist. Diese Positionierung trifft auch eine Aussage über die Bedeutung der Kirche für die Menschen: Sie stellen das in den Mittelpunkt, was ihnen wichtig und besonders wertvoll ist. Nicht eine Fabrik, ein Büro oder ein Geschäft halten das Wohngebiet zusammen, sondern es gibt gewissermaßen einen geistigen Mittelpunkt. Das sogenannte Haus Gottes hat den ersten Platz.
Kirchengebäude stellen einen Gegenpol, eine Alternative zum üblichen Umfeld dar: laut – leise, hektisch – ruhig, grell – gedämpft, eng – weit. Waren Kirchen früher oft auch Wehr- und Schutzräume gegen feindliche Eindringlinge, finden heute Menschen hier Schutz vor Reizüberflutung und Leistungsansprüchen. Hier ist jeder willkommen, kann ausruhen, still werden, muss nichts tun und leisten, sondern darf einfach da sein. Kinder können hier einen potenziellen Rückzugsort, einen geschützten Raum kennenlernen.
Kinder sind von Anfang an religiös. Auf ihre Weise sind sie auf der Suche nach dem Sinn. Kirchenräume als materialisierte Glaubenserfahrungen und –hoffnungen können hier Antwortspuren aufzeigen. Sie drücken mit ihrer Architektur, mit Bildern, Skulpturen, Fenstergestaltungen und Gegenständen aus, was Menschen früher und heute mit Gott erfahren und sich erbitten. Symbole, biblische Geschichten und kirchliche Traditionen begegnen dem Kirchenbesucher auf Schritt und Tritt und laden ein, diese Hintergründe zu erschließen und sich selbst dazu in Beziehung zu setzen. Die Gestaltung des sakralen Raumes setzt zum Teil religiöses Wissen voraus, sie ermöglicht aber auch eine sinnliche Erschließung.
Biblische Erzählungen und Heilige werden buchstäblich sichtbar, bunt und als reales Gegenüber erlebbar, das zu einer Begegnung einlädt. Kirchenräume sind Orte, an denen auf viele Weise und für alle Sinne Geschichten von Gott und der Welt erzählt werden.
Kinder sind empfänglich für die Besonderheit eines Raumes, für Stimmungen, Farben und Formen. Sie sind oftmals unmittelbar ansprechbar für das Unsagbare, das im Kirchenraum spürbar wird. Sie haben den „siebten Sinn“ für die unsichtbare Welt. Das mit dem Turm und durch die Größe weithin sichtbare Gebäude sowie die besondere und kostbare Ausstattung signalisieren ihnen auf implizite Weise, dass hier ein Schatz, etwas Besonderes und Wertvolles bewahrt und gefunden werden kann. Landläufig wird von der Kirche als dem Haus Gottes gesprochen. Kinder haben mitunter die konkrete Vorstellung, Gott wohne darin, wie in einer üblichen Wohnung. Der Raum versucht, mit seinen Mitteln etwas von Gottes Größe, Herrlichkeit und Barmherzigkeit widerzuspiegeln.
Der weithin sichtbare Turm kann daran erinnern, dass Gott immer wieder in das Blickfeld gelangen und im Alltag vorkommen will. Er schlägt seine Wohnung mitten unter den Menschen auf (Offb 21,3). In barocken Kirchen zeigen unzählige Engel die Präsenz Gottes an. Die Weite und Höhe des Gebäudes laden ein, den Kopf zu heben und über sich selbst hinauszuwachsen. Sie erzählen: Gott selbst ist es, der „meinen Schritten weiten Raum verschafft“ (Psalm 18,37). In Nischen und Seitenkapellen kann ich mich bergen wie unter seinem Schutz und Schirm. Sie machen die Worte des Beters zu einer
leiblichen Erfahrung: „Herr, du mein Fels, meine Burg, meine Feste, in der ich mich berge“ (Psalm 18,3).
Gott kann grundsätzlich an jedem Ort erfahren werden, an jedem Ort kann zu ihm gebetet werden. Die Kirche ist jedoch zum einen ein besonderer Versammlungs- und Gebetsraum für Christen. In der Gemeinschaft der Glaubenden ist Gott gegenwärtig: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Zum anderen wird in katholischen Kirchen durch den geweihten Altar, durch die Feier der Eucharistie und durch die Aufbewahrung der konsekrierten Hostien Gottes Gegenwart in besonderer Weise ein Ort geschaffen.
Kindern kann hier Zugang zu einem Raum ermöglicht werden, der religiöse Erfahrungen zwar nicht hervorrufen, aber dafür sensibilisieren kann. Je jünger Kinder sind, je weniger ihnen bereits eine religiöse Sprache zur Verfügung steht, desto mehr sind äußere Merkmale für sie mit einem eindeutigen Signal verknüpft. Bestimmte Orte, bestimmte Zeiten, Symbole und Klänge strukturieren ihren Alltag, geben Sicherheit und Heimat. Der Besuch einer Kirche zeigt ihnen an, dass es jetzt um „das Heilige“, das „große Geheimnis“ – um Gott – geht.
Auch Kleinkinder lernen schnell, dass bestimmte Orte auch bestimmte Verhaltensweisen erfordern: Im Wartezimmer des Arztes verhalte ich mich anders als auf dem Spielplatz; im Wald anders als im Puppentheater. Sie können bei aller Experimentierfreude und Offenheit auch respektvolle Verhaltensweisen kennenlernen und einüben, die der Würde des Kirchenraumes angemessen sind.
Kirchen sind keine Mausoleen, die für alle Zeit eine frühere Epoche mit ihren zeitbedingten spezifischen Frömmigkeitsvorstellungen und -formen eingefroren haben und nun bestaunt werden können. Die Kirche ist ein lebendiges Haus. Kinder sind auch heute eingeladen, ihr Leben, ihren Glauben, ihre Sorgen und Hoffnungen einzubringen. Kinder können erleben, dass die Höhe- und Tiefpunkte des Lebens hier einen Ort und eine Ausdrucksmöglichkeit haben. Die zahlreichen Kerzen, die als Fürbittgebet entzündet werden, sind hier nur ein beredtes Beispiel. Kindern wird mit der Erschließung des Kirchenraumes eine „gute Adresse“, eine Anlaufstelle für ihre Erfahrungen eröffnet. Auch sie sind „lebendige Steine“ der Kirche und dürfen hier ihre Spuren hinterlassen.
Die Kirche ist der Versammlungsort der Gemeinde. Kinder erfahren, dass sich hier zum Gottesdienst alte und junge Menschen, Gesunde und Kranke, Arme und Reiche treffen und gemeinsam beten und die Sakramente feiern. Kirchenerkundungen finden zwar außerhalb des Gottesdienstes statt, doch ist es sinnvoll, dass die Kinder den Raum auch als Ort der betenden Gemeinde bei einem Gottesdienst erleben.
Anne und Simon haben bei ihrem kleinen Abstecher am Samstagvormittag hautnah erfahren, was eine Kirche ausmacht. Dass sie ein Raum des Hörens, des Sehens, des Riechens, des Tuns, des Denkens und Glaubens ist. Dass der Raum selbst wie eine Brücke zwischen Himmel und Erde erscheint.
1. Bringen Sie Kirchengebäude ins Blickfeld Ihres Kindes
• Bei Autofahrten: Wer sieht zuerst den Kirchturm?
• Zählen lernen: Wie häufig schlägt die Glocke?
• Vergleichen: Was sind die größten Gebäude in unserem
Wohnviertel? Welches hat die höchsten Fenster?
2. Finden Sie Anlässe, mit dem Kind die Kirche auch außerhalb von Gottesdiensten zu besuchen
Rund um den Geburtstag: Stellen Sie eine Kerze auf mit den Worten „Danke, dass es Nina (Jonas ...) gibt!“.
Rund um den Namenstag: Finden Sie eine Darstellung des Namenspatrons.
Freude und Sorge: Lassen Sie Ihr Kind eine Kerze entzünden und ein Gebet sprechen.
3. Lassen Sie Ihr Kind den Unterschied zwischen draußen und drinnen spüren
• Die Kirchentür öffnen: Wieviel Kraft, evtl. Hilfe, benötigt Ihr Kind?
• Fühlen: Wie ist die Temperatur im Kirchenraum im Vergleich zu draußen?
• Auf Töne lauschen: Was ist hier noch von draußen zu hören? Wie klingt die Orgel, wie das Glockengeläut an verschiedenen Orten?
4. Folgen Sie dem Interesse Ihres Kindes
• „Magst du mir zeigen, was du schon in dieser Kirche kennst?“
• „An welchem Platz in der Kirche bist du gern?“
• „Was möchtest du dir genauer anschauen?“
5. Lassen Sie den Kirchenbesuch nachklingen
• Singen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind zum Abschied in der Kirche ein Lied.
• Füllen Sie mit Ihrem Kind Weihwasser für daheim ab. Gestalten Sie gemeinsam aus lufttrocknender Modelliermasse eine Schale für dieses Wasser und segnen Sie damit Ihr Kind am Ende des Tages.
• Ihr Kind malt ein Bild von dem Gegenstand, den es sich intensiv angeschaut hat.
Die Kirche gehört ins Stadtbild
Kleinkinder erobern Stück für Stück ihr Umfeld und bewegen sich zunehmend selbstständiger und vertrauter in ihrem Aktionsradius. Neben Kindertageseinrichtung, Ärzte- und Geschäftshaus, Feuerwehr, Rathaus und vielem anderen mehr gehört auch die Kirche zur Umgebung. Das Kirchengelände ist ein Begegnungsplatz. Hier laufen die Hauptverkehrsadern entlang, hier treffen sich Menschen auf ihren alltäglichen Gängen. Die Kirche und der Kirchplatz mit Sitzbänken, Grünflächen und Infokästen sind ein Treffpunkt für Jung und Alt, für verschiedene Generationen, mitunter auch für Lebende und Verstorbene: Ist die Kirche umgeben von einem Friedhof, wird erlebbar, wie auch die Verstorbenen Teil unseres jetzigen Lebens sind.
Das Kirchengebäude wirkt nicht allein durch seine Größe auf die Kinder, sondern befindet sich in den meisten Fällen auch an einem zentralen Ort. Auf Luftaufnahmen lässt sich gut erkennen, dass die Kirche buchstäblich der Mittelpunkt eines Dorfes oder eines Stadtviertels ist. Diese Positionierung trifft auch eine Aussage über die Bedeutung der Kirche für die Menschen: Sie stellen das in den Mittelpunkt, was ihnen wichtig und besonders wertvoll ist. Nicht eine Fabrik, ein Büro oder ein Geschäft halten das Wohngebiet zusammen, sondern es gibt gewissermaßen einen geistigen Mittelpunkt. Das sogenannte Haus Gottes hat den ersten Platz.
Kirchen sind Bildungsräume
Kirchengebäude stellen einen Gegenpol, eine Alternative zum üblichen Umfeld dar: laut – leise, hektisch – ruhig, grell – gedämpft, eng – weit. Waren Kirchen früher oft auch Wehr- und Schutzräume gegen feindliche Eindringlinge, finden heute Menschen hier Schutz vor Reizüberflutung und Leistungsansprüchen. Hier ist jeder willkommen, kann ausruhen, still werden, muss nichts tun und leisten, sondern darf einfach da sein. Kinder können hier einen potenziellen Rückzugsort, einen geschützten Raum kennenlernen.
Kinder sind von Anfang an religiös. Auf ihre Weise sind sie auf der Suche nach dem Sinn. Kirchenräume als materialisierte Glaubenserfahrungen und –hoffnungen können hier Antwortspuren aufzeigen. Sie drücken mit ihrer Architektur, mit Bildern, Skulpturen, Fenstergestaltungen und Gegenständen aus, was Menschen früher und heute mit Gott erfahren und sich erbitten. Symbole, biblische Geschichten und kirchliche Traditionen begegnen dem Kirchenbesucher auf Schritt und Tritt und laden ein, diese Hintergründe zu erschließen und sich selbst dazu in Beziehung zu setzen. Die Gestaltung des sakralen Raumes setzt zum Teil religiöses Wissen voraus, sie ermöglicht aber auch eine sinnliche Erschließung.
Biblische Erzählungen und Heilige werden buchstäblich sichtbar, bunt und als reales Gegenüber erlebbar, das zu einer Begegnung einlädt. Kirchenräume sind Orte, an denen auf viele Weise und für alle Sinne Geschichten von Gott und der Welt erzählt werden.
Kinder sind empfänglich für die Besonderheit eines Raumes, für Stimmungen, Farben und Formen. Sie sind oftmals unmittelbar ansprechbar für das Unsagbare, das im Kirchenraum spürbar wird. Sie haben den „siebten Sinn“ für die unsichtbare Welt. Das mit dem Turm und durch die Größe weithin sichtbare Gebäude sowie die besondere und kostbare Ausstattung signalisieren ihnen auf implizite Weise, dass hier ein Schatz, etwas Besonderes und Wertvolles bewahrt und gefunden werden kann. Landläufig wird von der Kirche als dem Haus Gottes gesprochen. Kinder haben mitunter die konkrete Vorstellung, Gott wohne darin, wie in einer üblichen Wohnung. Der Raum versucht, mit seinen Mitteln etwas von Gottes Größe, Herrlichkeit und Barmherzigkeit widerzuspiegeln.
Der weithin sichtbare Turm kann daran erinnern, dass Gott immer wieder in das Blickfeld gelangen und im Alltag vorkommen will. Er schlägt seine Wohnung mitten unter den Menschen auf (Offb 21,3). In barocken Kirchen zeigen unzählige Engel die Präsenz Gottes an. Die Weite und Höhe des Gebäudes laden ein, den Kopf zu heben und über sich selbst hinauszuwachsen. Sie erzählen: Gott selbst ist es, der „meinen Schritten weiten Raum verschafft“ (Psalm 18,37). In Nischen und Seitenkapellen kann ich mich bergen wie unter seinem Schutz und Schirm. Sie machen die Worte des Beters zu einer
leiblichen Erfahrung: „Herr, du mein Fels, meine Burg, meine Feste, in der ich mich berge“ (Psalm 18,3).
Gott kann grundsätzlich an jedem Ort erfahren werden, an jedem Ort kann zu ihm gebetet werden. Die Kirche ist jedoch zum einen ein besonderer Versammlungs- und Gebetsraum für Christen. In der Gemeinschaft der Glaubenden ist Gott gegenwärtig: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Zum anderen wird in katholischen Kirchen durch den geweihten Altar, durch die Feier der Eucharistie und durch die Aufbewahrung der konsekrierten Hostien Gottes Gegenwart in besonderer Weise ein Ort geschaffen.
Kindern kann hier Zugang zu einem Raum ermöglicht werden, der religiöse Erfahrungen zwar nicht hervorrufen, aber dafür sensibilisieren kann. Je jünger Kinder sind, je weniger ihnen bereits eine religiöse Sprache zur Verfügung steht, desto mehr sind äußere Merkmale für sie mit einem eindeutigen Signal verknüpft. Bestimmte Orte, bestimmte Zeiten, Symbole und Klänge strukturieren ihren Alltag, geben Sicherheit und Heimat. Der Besuch einer Kirche zeigt ihnen an, dass es jetzt um „das Heilige“, das „große Geheimnis“ – um Gott – geht.
Lebendige Steine
Auch Kleinkinder lernen schnell, dass bestimmte Orte auch bestimmte Verhaltensweisen erfordern: Im Wartezimmer des Arztes verhalte ich mich anders als auf dem Spielplatz; im Wald anders als im Puppentheater. Sie können bei aller Experimentierfreude und Offenheit auch respektvolle Verhaltensweisen kennenlernen und einüben, die der Würde des Kirchenraumes angemessen sind.
Kirchen sind keine Mausoleen, die für alle Zeit eine frühere Epoche mit ihren zeitbedingten spezifischen Frömmigkeitsvorstellungen und -formen eingefroren haben und nun bestaunt werden können. Die Kirche ist ein lebendiges Haus. Kinder sind auch heute eingeladen, ihr Leben, ihren Glauben, ihre Sorgen und Hoffnungen einzubringen. Kinder können erleben, dass die Höhe- und Tiefpunkte des Lebens hier einen Ort und eine Ausdrucksmöglichkeit haben. Die zahlreichen Kerzen, die als Fürbittgebet entzündet werden, sind hier nur ein beredtes Beispiel. Kindern wird mit der Erschließung des Kirchenraumes eine „gute Adresse“, eine Anlaufstelle für ihre Erfahrungen eröffnet. Auch sie sind „lebendige Steine“ der Kirche und dürfen hier ihre Spuren hinterlassen.
Die Kirche ist der Versammlungsort der Gemeinde. Kinder erfahren, dass sich hier zum Gottesdienst alte und junge Menschen, Gesunde und Kranke, Arme und Reiche treffen und gemeinsam beten und die Sakramente feiern. Kirchenerkundungen finden zwar außerhalb des Gottesdienstes statt, doch ist es sinnvoll, dass die Kinder den Raum auch als Ort der betenden Gemeinde bei einem Gottesdienst erleben.
Anne und Simon haben bei ihrem kleinen Abstecher am Samstagvormittag hautnah erfahren, was eine Kirche ausmacht. Dass sie ein Raum des Hörens, des Sehens, des Riechens, des Tuns, des Denkens und Glaubens ist. Dass der Raum selbst wie eine Brücke zwischen Himmel und Erde erscheint.
Mit Kindern im Haus Gottes – 5 Tipps für Eltern
1. Bringen Sie Kirchengebäude ins Blickfeld Ihres Kindes
• Bei Autofahrten: Wer sieht zuerst den Kirchturm?
• Zählen lernen: Wie häufig schlägt die Glocke?
• Vergleichen: Was sind die größten Gebäude in unserem
Wohnviertel? Welches hat die höchsten Fenster?
2. Finden Sie Anlässe, mit dem Kind die Kirche auch außerhalb von Gottesdiensten zu besuchen
Rund um den Geburtstag: Stellen Sie eine Kerze auf mit den Worten „Danke, dass es Nina (Jonas ...) gibt!“.
Rund um den Namenstag: Finden Sie eine Darstellung des Namenspatrons.
Freude und Sorge: Lassen Sie Ihr Kind eine Kerze entzünden und ein Gebet sprechen.
3. Lassen Sie Ihr Kind den Unterschied zwischen draußen und drinnen spüren
• Die Kirchentür öffnen: Wieviel Kraft, evtl. Hilfe, benötigt Ihr Kind?
• Fühlen: Wie ist die Temperatur im Kirchenraum im Vergleich zu draußen?
• Auf Töne lauschen: Was ist hier noch von draußen zu hören? Wie klingt die Orgel, wie das Glockengeläut an verschiedenen Orten?
4. Folgen Sie dem Interesse Ihres Kindes
• „Magst du mir zeigen, was du schon in dieser Kirche kennst?“
• „An welchem Platz in der Kirche bist du gern?“
• „Was möchtest du dir genauer anschauen?“
5. Lassen Sie den Kirchenbesuch nachklingen
• Singen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind zum Abschied in der Kirche ein Lied.
• Füllen Sie mit Ihrem Kind Weihwasser für daheim ab. Gestalten Sie gemeinsam aus lufttrocknender Modelliermasse eine Schale für dieses Wasser und segnen Sie damit Ihr Kind am Ende des Tages.
• Ihr Kind malt ein Bild von dem Gegenstand, den es sich intensiv angeschaut hat.
Christina Tangerding
Die Journalistin Christina Tangerding arbeitet als Redakteurin in einem katholischen Medienunternehmen.




