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Kinder trauern anders

Publiziert am 13.01.2012 von Margit Franz
Kinder im Alter bis zum siebten Lebensjahr haben noch ein unvollständiges und  vorläufiges Konzept vom Tod. Sie können sich nur schwer vorstellen, dass der Tod eine endgültige Grenze setzt. Die Fragen und Äußerungen eines Kindes spiegeln sein aktuell vorherrschendes Todeskonzept wider.
 
Kindliche Vorstellungen vom Tod

  • Der Tod ist etwas, was vorübergeht.

Tamara spielt fröhlich und vergnügt in der Puppenecke. Ihr Vater ist vor zwei Wochen plötzlich verstorben. Tamara sagt zu ihrer Spielfreundin: „Der Papa lebt jetzt im Himmel und kommt mich bald besuchen.“

  • Der Tod ist eine andere Lebensform.

Silkes geliebtes Meerschweinchen ist gestorben. Zusammen mit ihren Eltern hat sie es im Garten begraben. Nach ein paar Tagen fragt Silke ihre Mutter: „Und wie bekommt der Flecki im Grab jetzt Luft?“

  • Wer tot ist, kann auch wieder lebendig werden.

Olivers Opa ist nach langer Krankheit gestorben. Das Enkelkind tröstet seine Oma unbekümmert: „Oma, du musst nicht traurig sein, bald wird der Opa wieder lebendig.“

  • Böse und alte Menschen müssen sterben.

Linus diskutiert mit seinem Freund Florian: „Der Mann war ganz böse, deshalb ist der gestorben.“ Florian ergänzt: „Ja, und weil der schon alt war.“
 
Die Vorstellungen vom Tod beeinflussen den Trauerprozess. Je älter Kinder werden, umso mehr sind sie sich der Endgültigkeit des Todes bewusst und können die Situation mit all ihren Konsequenzen überblicken. Traurigkeit und Tränen zeigen sich meist dann, wenn ein Kind nicht nur mit seinen Gedanken, sondern auch mit seinen Gefühlen begriffen hat, was der Tod bedeutet:
 

Die Trauer eines Kindes kann viele Gesichter haben
  • Wut

Sarah ist wütend und nicht sehr gut auf ihre Großmutter zu sprechen. Sie schimpft: “Die Oma ist böse. Die ist einfach gestorben und jetzt ist meine Mama ganz arg traurig.“

  • Enttäuschung

Julia ist enttäuscht: „Der Opa hat versprochen mit mir in den Urlaub zu fahren. Jetzt ist der Opa tot und hält gar nicht sein Versprechen.“

  • Rückzug

Leon, sechs Jahre alt, ist ein aufgeweckter Junge. Seit dem Tod seines kleinen Bruders verhält er sich „auffällig unauffällig“. Er ist still, brav und zieht sich immer wieder in sein Zimmer zurück.
 

Mit Kindern über den Tod und ihre Trauer sprechen

Verhaltensweisen und Äußerungen eines Kindes gilt es zu respektieren, weil sie seiner Gedanken- und Gefühlswelt entspringen: So denkst und empfindest du. Im vertrauensvollen Dialog erfahren Erwachsene von den Vorstellungen eines Kindes. Fühlt sich ein Kind mit seinen Gefühlen und Gedanken wertgeschätzt und angenommen, macht es die Erfahrung: Ich werde verstanden. Diese Erfahrung stärkt die Beziehung in einer Krisensituation. Auf dieser Basis können sich einfühlsame Gespräche entwickeln, in denen das Kind weitere Fragen stellen und Ängste äußern kann. Aufgabe des Erwachsenen ist es, diese anzunehmen und dem Kind – in kindgemäßer Weise versteht sich – jene Informationen zu geben, die zur Verarbeitung seiner Verlustsituation förderlich sind.
 
Erwachsener: „Du bist ziemlich böse auf deinen Opa, weil er sein Versprechen nicht einhalten kann ...?“
Julia: „Ja, weil ich mich ja ganz doll darauf gefreut habe ...“
Erwachsener: „... und jetzt ist die ganze Freude weg, weil dein Opa gestorben ist?“
Julia: „Ja.“
Erwachsener: „Wenn dein Opa noch leben würde, würde er sein Versprechen ganz bestimmt einhalten. Du konntest dich auf deinen Opa immer verlassen, oder ...?“
Julia: „Ja schon ...“
Erwachsener: „Weißt du, dein Opa ist gestorben. Jetzt ist er tot. Er kann nichts mehr sehen, hören, fühlen, weil alles Leben aus seinem Körper gegangen ist.
Julia: „Und wird der Opi nie wieder lebendig?“
Erwachsener: „Nein, nie wieder.“
Julia: „Das ist aber traurig!“
Erwachsener: „Ja, sehr traurig.“
 
In Gesprächen mit Kindern ist es wichtig, die Gefühls- und  Sachebene gleichermaßen zu berücksichtigen. Sachdienliche Informationen helfen, Gefühle zu klären, und bilden die Voraussetzung, damit Kinder eine realistische Vorstellung entwickeln und ihre Trauer verarbeiten können.

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Margit Franz

Margit Franz

Margit Franz leitete 15 Jahre lang eine Kindertageseinrichtung in Rodgau. Heute arbeitet sie als pädagogische Fachberaterin, Lehrbeauftragte an der Hochschule Darmstadt und Herausgeberin von ...
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