Die Weihnachtsgeschichte aus Sicht von Josef

Publiziert am 13.12.2016  von Esther Hebert

Die Weihnachtsgeschichte: Das ist die Geschichte von Maria und Jesus. Maria macht sich auf den Weg nach Betlehem, bringt in einem Stall Jesus zur Welt, die Hirten und die weisen Sterndeuter kommen, um Maria ihre Aufwartung zu machen und dem neugeborenen Messias zu huldigen. Einer ist immer dabei, selbst wenn er gern übersehen wird: Josef. Ohne Josef wäre aber die ganze Geschichte nicht so gekommen. Josef steht Maria zur Seite, auch wenn er über die Schwangerschaft von Maria zunächst unglücklich war. Er heiratet sie und bietet ihr ein Zuhause. Er unterstützt sie in ihrer Mutterschaft und sorgt für sie in unsicheren Zeiten. Jesus ist er ein verantwortungsvoller Vater.  Josef – das Rollenvorbild für Männer: verantwortungsvoll, entscheidungsfreudig, pragmatisch, fürsorglich.

Josef wäre aber keine realistische Männerfigur, wenn er damals in der Frühzeit seiner Beziehung zu Maria ihre wundersamen Berichte einfach so hingenommen hätte. Erst einmal glaubte Josef, dass Maria ihm auf etwas verquere Art mitteilen wollte, dass sie einen anderen Mann ihm vorzöge. Das macht ihn eifersüchtig und er will sich von ihr trennen. Dass er dies dezent tun will, ohne Skandal und nachfolgende Steinigung Marias, spricht für Josef als "Gentleman". Aber erst ein Traum überzeugt ihn letztlich  von den besonderen anderen Umständen Marias. Der Dichter Rainer Maria Rilke schildert Josefs Kampf sehr überzeugend:
 

Argwohn Josefs

Und der Engel sprach und gab sich Müh
an dem Mann, der seine Fäuste ballte:
Aber siehst du nicht an jeder Falte,
dass sie kühl ist wie die Gottesfrüh.

Doch der andre sah ihn finster an,
murmelnd nur: Was hat sie so verwandelt?
Doch da schrie der Engel: Zimmermann,
merkst du's noch nicht, dass der Herrgott handelt?

Weil du Bretter machst in deinem Stolze,
willst du wirklich den zur Rede stelln,
der bescheiden aus dem gleichen Holze
Blätter treiben macht und Knospen schwelln?

Er begriff. Und wie er jetzt die Blicke,
recht erschrocken, zu dem Engel hob,
war der fort. Da schob er seine dicke
Mütze langsam ab. Dann sang er lob.

Rainer Maria Rilke

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