Einblick: Teamkonflikte in der Kita

Publiziert am 27.07.2021  von Anja Mannhard

Es gibt Zeiten, da läuft es in pädagogischen Teams alles andere als rund. Da wird um unterschiedliche Interessen und Ziele gestritten, oder es gibt ein Machtgerangel um Positionen und Einfluss. Unterschiedliche  Kulturen und Biografien prallen aufeinander und manchmal fehlt es am gegenseitigen Verständnis und an Toleranz. Wird über eine längere Zeit ohne Ergebnis gestritten oder gären Konflikte unterschwellig vor sich hin, sinkt die Motivation zur Zusammenarbeit, die Qualität der Arbeit leidet und im Privatleben überschatten die Differenzen den wohlverdienten Ausgleich.

Damit Konflikte sich nicht zu unbezwingbaren Monstern entwickeln, sollten wir frühzeitig gegensteuern und die Ursachen erforschen und beheben. So lässt sich ein inneres und äußeres Gleichgewicht im Team wieder herstellen.

Formale Beziehungen und informelle Positionen

Neben formellen Beziehungen und Positionen sind manchmal die informellen in einem Team viel wichtiger: Wer hat mit wem mehr und weniger zu tun, wer hat welche Rangstellung betreffend der Anerkennung (und nicht Funktion) im Team, wer zeigt welche Einsatzbereitschaft, wer verfügt über welche Kompetenzen? Mit jedem Teammitglied und den damit verbundenen Rollen gehen fachliche und persönliche Stärken und Schwächen einher, die das Miteinander positiv und negativ beeinflussen.

Bewahrer, Macherinnen, Visionärinnen, Erbsenzähler

Konfliktpotenzial kann bei zu großen persönlichen Gegensätzen entstehen, wenn zum Beispiel die „Bewahrer“ mit den „Macherinnen“ aneinander geraten. Während erstere noch nach Gründen und nach Sicherheit suchen, wollen die Macherinnen längst handeln, ihnen geht alles zu langsam. Auch die kreativen „Visionärinnen“ können mit den Macherinnen in Konflikte geraten, denn sie produzieren lieber Ideen und geistige Höhenflüge, während die Macherinnen immer noch nicht umsetzen können, was sie wollen. „Erbsenzähler“ bringen die Visionärinnen in geordnete Bahnen – denken sie – und lassen manche Idee wie eine Seifenblase mit Sachargumenten platzen. Das bremst aus! Erbsenzähler können aber auch die Macherinnen in Rage bringen, denn das stete Nachfragen, das Überprüfen und Abwägen hält vom Machen ab. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Konflikte bieten Chancen

In Konfliktsituationen erfahren die Teammitglieder viel über sich selbst. Sie erleben, was sie ärgert oder verletzt. Sie erfahren, was sie zur Durchsetzung ihrer Interessen unternehmen – oder vermeiden – und wie sie mit ihren Gefühlen umgehen. Sie erfahren auch etwas über ihre Fähigkeiten, andere wahrzunehmen und sich in sie und ihre Bedürfnislage hineinzuversetzen. Wer Konflikten lieber aus dem Weg geht, kann lernen, mutiger zu werden, und wer eine zu hohe Konfliktbereitschaft besitzt, kann lernen, sich mehr zurückzunehmen. Mit einer Beilegung von Konflikten können meistens nicht alle Ziele erreicht werden – eines aber in jedem Fall: Die Zusammenarbeit im Team wird kompetenter, erfreulicher und erfüllender.

Begreifen pädagogische Fachkräfte Konflikte als Chancen, können sie an ihnen wachsen und zu mehr beruflicher und privater Zufriedenheit gelangen. Sie verstehen, dass etwas in ihrem Inneren oder in ihrer Umwelt vernachlässigt wurde, das sich nun in Form eines Konflikts zeigt.

Schritt für Schritt zur Konfliktlösung

Konflikte klären die Beziehung zu uns selbst und zu den anderen Teammitgliedern, und sie fördern Entwicklung. Sie können – falsch behandelt – aber auch lähmen, blockieren und verletzen. Schwierige Situationen müssen zeitweise von uns ausgehalten und lösungsorientiert angegangen werden, und gefragt ist dabei vor allem die emotionale Konfliktkompetenz.

Schritt 1: Die Chance von Konflikten erkennen: Begreift ein Team Konflikte als Chancen, ergibt sich die Möglichkeit, neben allen Reibereien und zeitweise Ärgernissen auch andere Aspekte wahrzunehmen und zu schätzen, die die Zusammenarbeit weiterentwickeln und den Zusammenhalt im Team fördern.

Schritt 2: Den Unterschied von Sachkonflikten und Beziehungskonflikten erkennen

Schritt 3: Die eigenen Glaubenssätze erkennen: Die pädagogische Arbeit mit Kindern lässt Erinnerungen an eigene Kindheitserfahrungen anklingen. Diese Erlebnisse haben sich zu inneren biografischen Leitbildern entwickelt. Stoßen diese eigenen Grund- und Glaubenssätze in einem Team auf die persönlichen biografischen Leitbilder der Kolleginnen und Kollegen, so können Konflikte auftreten.

Schritt 4: Mit interkulturellen Kompetenzen Konflikten vorbeugen: Um Konflikten aufgrund von kulturellen Missverständnissen vorzubeugen oder entschärfend einzuwirken, bevor sie eskalieren, sind interkulturelle Kenntnisse und Kompetenzen wichtig.

Der Wert einer positiven Konfliktkultur

Eine positive Konfliktkultur fördert die Entwicklung des Teams und jedes einzelnen Mitglieds. Alle Beteiligten übernehmen im besten Fall ihren Teil der Verantwortung und tragen aktiv zur Lösung bei.

Dieser Beitrag ist ein Textauszug aus dem Begleitheft des Kartensets: Anja Mannhard: Teamkonflikte in der Kita erkennen und lösen. 44 Methodenkarten für eine gute Teamarbeit.Mit Checklisten, Fragebögen, Übungen, Don Bosco Medien 2021 - ein Kartenset für Kita-Leitungen, Fachberater und Pädagogen mit Informationen, Methoden und Hilfestellungen zur Konfliktlösung

Anja Mannhard ist Geprüfte Personalfachkauffrau und Ausbilderin IHK, staatlich anerkannte Lehrlogopädin und Erzieherin, Personzentrierte Beraterin. Nachdem sie viele Jahre in eigener logopädischer Praxis und in der Aus- und Weiterbildung pädagogischer und logopädischer Fachkräfte tätig war, leitete sie mehrere Jahre große Kindertageseinrichtungen. Heute arbeitet sie als Logopädin, Referentin und Autorin und veröffentlicht zu den Themen Personalführung, Persönlichkeitsentwicklung, Arbeits- und Kita-Recht, Praxisanleitung und Ausbildung, Biografiearbeit sowie Stimme und Sprechen.

 

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