Feste im Judentum: Purim

Publiziert am 09.03.2022  von Gabriela Schlick-Bamberger

Ein guter Grund zum Feiern!

Purim ist das fröhlichste Fest im jüdischen Kalender. Es erinnert an die wundersame Errettung der Juden im Persischen Reich vor ihrer Vernichtung. Nach dem jüdischen Kalender wird es jedes Jahr am 14. und 15. Adar gefeiert. Meist fällt der Termin in den Monat März. Im Jahr 2022 wird Purim am 16./17. März begangen.

Die Geschichte einer Königin

Die Geschichte von Purim wird im Buch Ester (auch Esther-Rolle, hebr. "Megillat Esther") erzählt, das Teil der hebräischen Bibel (TaNaCh) ist. Sie trägt sich zu im Persischen Reich des 6. Jahrhunderts vor der allgemeinen Zeitrechnung.

Im Mittelpunkt stehen die zur persischen Königin auserwählte Jüdin Esther, ihr Verwandter Mordechai sowie der böse Oberhofbeamte Haman. Aus gekränkter Eitelkeit, Mordechai hatte sich nicht vor ihm verbeugt, war Haman so voller Hass, dass er Mordechai töten wollte. Es reichte ihm jedoch nicht, nur Mordechai büßen zu lassen, sondern er wollte auch alle übrigen Juden im Persischen Reich vernichten. Zum König sagte er: „Da gibt es ein Volk, verstreut und abgesondert unter den Völkern in allen Provinzen deines Königreiches! Und ihre Gesetze sind von denen jeden anderen Volkes verschieden, und die Gesetze des Königs befolgen sie nicht. Es ist dem König nicht angemessen sie gewähren zu lassen. Wenn es dem König gefällt, werde eine Anordnung geschrieben, dass man sie ausrotte …“ Der König überließ das Schicksal der Juden Haman, der schon vorher den 13. Adar als Datum bestimmt hatte, an dem die Juden im gesamten Persien vernichtet und ihr Eigentum konfisziert werden sollte.

Durch das Zusammenspiel verschiedener Ereignisse konnte Königin Esther, von Mordechai über das furchtbare Vorhaben informiert, beim König erwirken, dass sich die Juden wehren durften. So kämpften sie an diesem Tag um ihr Leben. Am folgenden Tag, den 14. Adar feierten sie ihr Überleben. In Städten mit einer starken Befestigung dauerten die Kämpfe einen Tag länger. Dort wurde erst am 15. Adar gefeiert.

So feiert das Judentum heute das Fest

Für alle Zeiten wurde Folgendes zur Feier von Purim festgelegt: Der Tag vorher ist ein Fasttag in Erinnerung an das Fasten von Esther, bevor sie zum König ging, um für ihr Volk zu bitten. An Purim werden die täglichen Gebete, in der Synagoge oder zu Hause, erweitert durch besondere Passagen, Segenssprüche und Dankgebete. Darüber hinaus hat jeder Jude und jede Jüdin vier Mitzwot (Pflichten/Gebote) zu erfüllen:

Krach gegen das Böse, Verkleidungsspaß und süße Hamantaschen

  1. Die Lesung der Purim-Geschichte: Nach dem Abendgebet und am folgenden Vormittag nach dem Morgengebet wird in der Synagoge die Purim-Geschichte vorgelesen. Fällt während der Lesung der Name "Haman", ist es Brauch, dass alle Anwesenden so viel Krach wie möglich machen, sodass der Name nicht mehr zu hören ist.
  2. Seuda: Am Mittag wird eine festliche Mahlzeit im Familienkreis eingenommen.
  3. Mischloach Manot: Jeder sendet mindestens zwei essfertige Lebensmittel an einen oder mehrere Freunde.
  4. Matanot leEvionim: Bedürftige erhalten Geschenke, damit auch sie fröhlich feiern können.

Auch ist es Brauch, sich zu verkleiden und ein besonderes Gebäck in Form eines „Napoleon"-Hutes, die Haman-Taschen, zu verspeisen.

Gabriela Schlick-Bamberger, jüdische Religionspädagogin und Leiterin der Religionsschule JESCHURUN der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main.

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