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Hauptsache Spielen!

Publiziert am 05.04.2017

Kinder spielen leidenschaftlich gerne, denn Spielen ist Ausdruck einer erfüllten Kindheit und Lebensfreude pur. Spielen ist die Hauptbeschäftigung von Kindern und die erfolgreichste Methode des Menschen, mit der er seine Persönlichkeit von Geburt an selbst bildet. Spielend entfaltet das Kind seine Kompetenzen, es entwickelt neue Fähigkeiten, es probiert unermüdlich aus und sucht sich selbst immer wieder neue Herausforderungen in der Zone seiner nächsten Entwicklung. Kein noch so ausgeklügeltes, von Erwachsenen konzipiertes Bildungsprogramm kann Kindern nur annähernd das bieten, was ihnen das freie Spielen ermöglicht.
 
Kinder müssen spielen
Spiel- und Kindheitsforscher gehen davon aus, dass ein Kind bis zum Schuleintritt mindestens 15.000 Stunden selbstbestimmt gespielt haben muss. Das sind etwa sieben Stunden am Tag. Die Kinderpsychologin und Pionierin der Spieltherapie Virgina M. Axline sagte: „Wenn ein Kind einmal nicht isst, so ist das für die meisten Eltern ein Anlass zu großer Sorge. Wenn ein Kind aber nicht richtig spielt, dann wird das häufig gar nicht bemerkt. Dabei ist letzteres meist ein viel ernsteres Alarmzeichen.“
Spielerfahrene und somit spielkompetente Kinder haben sich bereits in jungen Jahren grundlegend wichtige Kompetenzen „erspielt“, die ein lebenslanges Lernen in einer postmodernen Wissensgesellschaft eröffnen. Was sind das für weltvolle Kompetenzen, die Kinder für ihr ganzes Leben – und somit nicht nur in der Schule – brauchen können?
Glücklicherweise muss kein gesundes Kind zum Spielen angeregt oder motiviert werden. Je interessierter, engagierter, kreativer Kinder von sich aus spielen können, umso interessierter, engagierter, kreativer werden sie später ihre Lebensaufgaben – auch die Hausaufgaben für die Schule - bewältigen. Grundlegende Voraussetzungen um in Schule, Studium, Beruf erfolgreich zu sein, sind jedoch persönliches Interesse und Engagement. Deshalb sollten Kinder weder bespielt, bespaßt noch beschäftigt werden, weil sie dadurch ja verinnerlichen würden: Mach was mit mir! Was soll ich machen? Mir ist ja so langweilig! Die Eigeninitiative nimmt dadurch schleichend ab und die Fremdbestimmung zu. Dadurch entsteht ein ungünstiger Entwicklungskreislauf.
 
Der Turm aus Bauklötzen soll noch höher werden und stürzt immer wieder zusammen. Immer wieder stehen die Kinder vor neuen Herausforderungen, die sich im Spiel ergeben. Das Kind selbst stellt seinen eigenen „Trainingsplan“ entlang seiner Spielinteressen und Vorhaben auf. Unermüdlich wiederholt es bestimmte Bewegungsabläufe und plappert hundert Mal denselben Klatschreim. Kinder üben spielend aus eigener Motivation – niemand hat es ihnen aufgetragen. Wenn Kinder von Anfang lernen bei Herausforderungen standzuhalten und dadurch eine hohe Frustrationstoleranz entwickeln, sind sie für ihr künftiges Leben, auch die Schule, bestens vorbereitet.  
 
Spielen ist eine höchst effiziente Form des sozialen Lernens. Die ersten Spielerfahrungen sammelt das Kind mit seinen Eltern. Aus den frühen Eltern-Kind-Spielen (z.B. Kniereiter, Neckereien, Guck-Guck-Spiele, Kose- und Krabbelspiele) entwickelt sich die spätere Fähigkeit mit andern Kindern zu spielen. Spätestens ab dem zweiten Lebensjahr werden jedoch andere Kinder als gleichwürdige Spielpartner gebraucht, um weitere soziale Spielkompetenzen entwickeln zu können. Das Zusammenspiel in einer Spielgruppe ist eine anspruchsvolle Angelegenheit, die nicht reibungslos verlaufen kann. Teil einer Spielgemeinschaft zu sein bedeutet Konflikte miteinander zu lösen, Spielideen zu verhandeln, sich austauschen, zurückstecken, durchsetzen – alles das sind wertvolle Kompetenzen, die Kinder nur spielend und eben nicht in künstlichen „Sozialtrainings“ erlernen können. Ob Kindergruppe, Klassengemeinschaft, Freundesclique, Sportmannschaft, Arbeits- und Studiengruppe, berufliche Teamarbeit ... – der Mensch bewegt sich lebenslang in Gemeinschaften.
 
Um zusammen spielen zu können müssen Kinder permanent miteinander verhandeln, wie und in welcher Weise miteinander gespielt werden soll: „Du sollst auch eine Seejungfrau sein, aber ich wäre die Mutterseejungfrau, okay?“ Und dann die Spielkameradin: „Immer willst du die Mutterseejungfrau sein. Aber nachher will ich ...“. Diese intensiven Aushandlungsprozesse und Regelvereinbarungen dauern meist länger als das eigentliche Spiel. Die Kinder besprechen auf einer kognitiven Metaebene ihr Spielskript, was eine hohe intellektuelle Leistung und zudem Sprachförderung auf höchstem Niveau ist. Die Kinder erweitern dadurch nicht nur ihren Wortschatz. Sie lernen sich auszudrücken und erfahren darüber hinaus, wie – in welchem Tonfall und mit welcher Körpersprache – sie etwas sagen müssen, um mit ihren Anliegen erfolgreich gehört zu werden. Wunderbar, wenn Kinder solche kommunikationselementaren Erfahrungen bereits in ihrer Kindheit sammeln konnten. Denn kommunikative Verständigung ist Grundvoraussetzung um in einer interkulturellen, werteoffenen Gesellschaft friedlich zusammenleben zu können – egal ob in KiTa, Schule oder Beruf.
 
Tipps fürs Familienlebe
- Bitte nicht stören! Ermöglichen Sie Kindern möglichst störungsfreie Spielzeiten.

- Spielen braucht Raum. Besonders wertvoll ist das Spielen draußen.

- Kinder brauchen andere Kinder zum Spielen.

- Kinder müssen ihre Konflikte selbst regeln, halten Sie sich deshalb zurück.

- Spielen bedeutet Schwierigkeiten selbst meistern und Lösungen entwickeln.

- Beobachten ist besser als Bespielen: Wofür interessiert sich mein Kind?

- Spielsachen? Kinder machen alles zur Sache ihres Spiels. Weniger ist mehr!

- Langeweile aushalten zu können ist wichtig. Daraus entstehen neue Ideen.

- Das Kind entscheidet, was, wie und mit wem es spielen möchte.

- Gemeinsame Spieleabende in der Familie fördern die Gemeinschaft.
 
Margit Franz

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