Kinder und Klänge

Publiziert am 19.07.2022  von Nadine Mescher

Das Auge trägt das Kind in die Welt

Da springt doch wieder etwas ins Auge! Obwohl das Hören der erste Sinn ist, mit dem wir schon im Mutterleib die Welt „draußen“ wahrnehmen können, setzt unsere moderne Welt stark auf visuelle Reize - blinkende Reklamen, bewegte Bilder auf Tablet und Handy und beim Malen halten Stifte in leuchtenden Neonfarben und mit viel Glitzer Einzug in die Kinderzimmer. Alles, was auf den ersten Blick toll aussieht und uns regelrecht anstrahlt, gewinnt im Bruchteil eines Moments unsere Aufmerksamkeit. Und kleine Weltentdecker werden ohnehin magisch angezogen von interessanten Dingen, die sie spontan erblickt haben. Alles muss erkundet werden! Das Auge trägt das Kind in die Welt.

Das Ohr trägt die Welt ins Kind

Weitaus nachhaltiger sind hingegen Hör- und Klangerfahrungen. Und diese können zu einem reichen Lern- und Erfahrungsschatz werden. Das Ohr trägt die Welt ins Kind: Deshalb sollte unbedingt darauf geachtet werden, Kinder möglichst wenig einer permanenten Geräuschkulisse aus Gruppenlautstärke oder Hintergrundgeräuschen wie Radio oder Fernseher auszusetzen. Schließlich können wir unsere Ohren nicht so einfach verschließen wie unsere Augen, wenn etwas zu viel wird. Und je einzelner und differenzierter Kinder nicht nur Geräusche, sondern auch natürliche Klänge erleben dürfen, desto mehr können sie an ihnen reifen. Jeder natürliche Klang lässt eine eigene Wirkung erleben: Vom Sand oder Reis, der in einem Schälchen raschelt, über knirschende Steinchen bis hin zu einfachen Klanginstrumenten wie Muschelwindspielen oder Glöckchen. Mancher Klang ist aufweckend, ein anderer beruhigend. Kinder tauchen regelrecht in Klangerlebnisse ein.

Klänge schulen das Hören

Natürliche Klänge bewusst zu erleben, legt einen Grundstein für viele weitere kognitive Fähigkeiten, die fürs ganze Leben wichtig sind: Ein Kind, das einzelne Klänge in Ruhe für sich erleben darf, lernt das Lauschen. Wer lauschen kann, lernt das Zuhören. Wer Zuhören kann, übt  sich in Konzentration, bildet Fantasiefähigkeit aus und kann mit der Zeit weitreichende Gedankengänge entwickeln. Die Hörfähigkeit ist nicht nur wesentlich für den Spracherwerb, den  Aufbau des Wortschatzes und das Schreibenlernen, sondern hat einen enormen Einfluss auf die gesamte kognitive Entwicklung. Es lohnt sich daher, auf kindgerechte Weise gezielt mit Klängen umzugehen.

Mit Klängen spielen

Das Erleben von Klängen geht mit der kindlichen Spiel- und Bewegungsfreude einher. Klänge selbst zu erzeugen, egal ob das zarte Windspiel angepustet oder vorsichtig mit der Hand bewegt wird, ein Glöckchen erklingen darf oder mit einer Handvoll Muscheln am Strand gerasselt wird – es erfordert Feinmotorik und Geschick. Kinder lieben es zudem, sich nach Klängen zu bewegen oder akustische Signale kennenzulernen. Ein wahres Pfund für den Alltag in Kita und Grundschule!

Einsatz im Alltag von Kita und Schule

Ein kleiner Gong läutet die Frühstückspause ein, das Glöckchen markiert Beginn und Ende von Spielphasen. Kleine Hör-Spiele wie ein Lausch-Memo-Spiel oder Klangrätsel lockern den Sitzkreis oder die Arbeitszeit in Kita und Grundschule auf. Mit dem begleitenden Einsatz einer Klangschale gelingt die Vorlesezeit in aufmerksamer Ruhe. So gibt es viele Möglichkeiten, im Alltag mit Kindern Klänge einzusetzen, auch fühlend und in Bewegung. Positiver Nebeneffekt: Die allgemeine Geräuschkulisse wird durch den Einsatz von Klängen deutlich reduziert, da die geübten Kinder mit „einem Ohr schon warten“. Auch die Momente der Stille sollten bewusst erfahren und genossen werden. Hier eignen sich Schleichspiele besonders gut. Als Beispiel seien

  • „Bello Bello, dein Knochen ist weg“,
  • „Heimliches Plätzetauschen“ (ein Kind schließt die Augen und muss dann erlauschen und erkennen, wer in der Zwischenzeit die Plätze getauscht hat) oder
  • „Wer schleicht sich an“ (Kind sitzt mit geschlossenen Augen in der Kreismitte und sobald es wahrnimmt, dass jemand aufsteht und sich bewegt, zeigt es in die Richtung)

genannt. Die leisen Schleichspiele fördern zudem in besonderem Maße die Konzentration und werden von den Kindern durchweg als sehr wohltuend empfunden.

Insgesamt lassen sich also im Alltag von Kita und Schule immer wieder und auch mit sehr einfachen Mitteln kleine und größere Elemente der Hörerziehung einsetzen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt!

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Zur Autorin

Nadine Mescher, Studium der Germanistik, Sozialwissenschaften und Waldorfpädagogik, Weiterbildung zur Gesundheitspädagogin. Sie arbeitet als Klassenlehrerin und Fachlehrerin für Musik und Religion an einer Waldorfschule. In ihrer Freizeit schreibt sie Kinderbücher und bloggt auf www.montagskindblog.de. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Pädagogik der Klänge und des Zu-Hörens (Audiopädie).

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