Singen macht froh! Zur Bedeutung der Musik in der frühkindlichen Entwicklung
"Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen."(Yehudi Menuhin)
Singen macht froh!
Wie kann es aber gelingen, in den Kindern die Liebe zum Singen und Musizieren zu wecken? Eigentlich ganz einfach: Singen lernt man durch Singen und Liebe zum Singen entfaltet sich durch Singen. Immer wieder, im Alltag, zwischendurch, zu besonderen Anlässen, vor dem Essen, nach dem Essen, vor dem Schlafengehen und zum Wachwerden.Wer gerne singt und mit Kindern singen möchte, braucht passende Lieder. Kinderlieder gibt es fast wie Sand am Meer, aber welche eignen sich wirklich für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter? Welche Lieder mögen die Kinder besonders gern? Und welche gehören als Kulturgut einfach dazu?
Themen, die immer wiederkehren
Thematisch sollten die Lieder nach dem Jahreskalender eingesetzt werden, denn die Arbeit in der Kita wird bestimmt vom Wechsel der Jahreszeiten und von Festen als Höhepunkten im Lauf eines Kalenderjahres. Hinzu kommen solten aber auch Themen, die das Kinderleben besonders bestimmen und die für Kinder von Interesse sind: Spiel-, Spaß- und Märchenlieder sollten ebenso Berücksichtigung finden wie Tierlieder oder Lieder für ein fröhliches Zusammensein.Lieder, die Kinder mögen
Besonders wichtig für die Auswahl sollte die Frage sein: Welche Lieder mögen die Kinder am liebsten? Am besten ist es, sie einfach mal zu fragen, nach ihren Lieblingsliedern und Kindergartenhits. Da können echte Kita-Charts draus entstehen. Erfahrungsgemäß mögen die Kinder viele moderne Lieder gern, zählen aber auch immer traditionelle Lieder aus dem Volksgut zu ihren Hits.Lieder, die jeder kennen sollte
Deshalb: Keine Scheu bei traditionllem Liedgut: Die Kinder mögen viele dieser Lieder besonders gern und sie können sie auch daheim mit Eltern und Großeltern singen.
Außerdem gilt: Auch wenn diese Lieder durch die Wortwahl auf den ersten Blick manchmal etwas altbacken oder überholt erscheinen, haben sie doch ihren besonderen Wert. Sie verbinden Generationen von Menschen und machen es möglich, dass ein Kind von 5 Jahren mit der Uroma auf Anhieb gemeinsam ein Liedchen trällern kann. Und sie geben einen Eindruck davon, wie sich Sprache und Werte wandeln und entwickeln. Singen war eben immer schon zeitlos schön und alle Generationen vorher und noch viele weitere Generationen werden diese Lieder schätzen und gemeinsam singen.Singen macht klug
Singen macht froh. Dass allein wäre schon Grund genug, es einfach zu tun und zwar täglich mit allen Kindern. Wer darüber hinaus nach dem pädagogischen Nutzen fragt, kann auch darauf viele motivierende Antworten finden.Singen und emotionale Entwicklung
Musikmachen und Singen scheinen ein Urbedürfnis des Menschen zu sein, denn Gesang und Musik finden sich in allen Kulturen. Das Musizieren gehört immer dazu, wenn starke Emotionen eine Rolle spielen. Wenn Menschen um einen Verstorbenen trauern, können Lieder trösten, die Stimmung heben und Zuversicht schenken. Wenn eine Hochzeit oder ein anderer festlicher Anlass Grund zur Freude gibt, verleiht Gesang der guten Laune zum Ausdruck.Früher haben die Menschen auch gemeinsam bei der Arbeit gesungen. So ging sie leichter von der Hand und das Gefühl, gemeinsam etwas zu schaffen, gab Motivation.
Das Singen im Alltag ist bei uns im Allgemeinen verloren gegangen, aber den Kindern ist es noch sehr nah. Sind ihnen einige Lieder bekannt, singen sie beim Spielen vor sich hin und sind dabei ganz in ihr Tun vertieft. Singen ist immer auch ein Ausdruck davon, dass man ganz bei sich selbst ist, in sich ruht und gute Laune hat. Und wer guter Stimmung ist, ist auch in der Lage, sich auf andere einzulassen, sich auf andere ein-zu-stimmen.
Singen in der Gruppe funktioniert nur, wenn man aufeinander hört, sich eingliedert und sich an bestimmte Regeln hält. Gleichzeitig wird deutlich: Jede Stimme zählt und trägt das Lied. „Gemeinsames Singen bietet Kindern die Möglichkeit, sich als Individuum und gleichzeitig als Mitglied der Gruppe zu fühlen und damit schon früh soziale Kompetenz zu entwickeln. Deshalb spielen Lieder in Tageseinrichtungen eine zentrale Rolle.“ (Bayerischer BEP)
Singen und Hirnentwicklung
Musizieren und damit auch Singen als elementarste Form des musikalischen Ausdrucks trägt entscheidend zur stärkeren Vernetzung neuronaler Strukturen bei. So fanden z.B. Freiburger Forscher heraus, dass regelmäßiges Musizieren beide Hälften des Großhirns aktiviert und für eine Verdichtung des neuronalen Netzes sorgt. Übrigens: Was Menschen gut tut, gilt auch für Vögel. Hirnforscher in den USA sind der Frage nachgegangen, warum manche Vogelweibchenarten den besten Sängern unter den Männchen ihre Gunst schenken. Wie die Hirnforscher herausfanden, verfügen die Sänger der ausgefeiltesten Lieder über deutlich höher entwickelte Hirnstrukturen als Vertreter schlichteren Liedguts. Die besseren Sänger haben also besseres Erbgut zu verteilen.Singen und Sprachentwicklung
Auch auf die Sprachentwicklung wirkt das Singen positiv. Durch die Verbindung von Sprache und Melodie können sich die Kinder Wörter leichter merken und Neues einfacher behalten. Der Wortschatz erweitert sich mit jedem neuen Lied, bekannte Wörter werden gefestigt. Lautmalereien und Reime fördern das Sprachgefühl und die Flexibilität im Umgang mit Sprache.Wer sprechen lernt, muss vor allem eines können: gut hinhören. Genau das wird durch Singen gefördert. Singen macht das genaue Hören nötig. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung („Musik schafft Persönlichkeiten“) macht deutlich, dass das Beschäftigen mit Musik das Hören im Allgemeinen verbessert.
Singen und (Körper-)Wahrnehmung
Versuchen Sie einmal, mit vorgebeugtem Oberkörper und zusammengesunkenen Schultern ein Lied zum Besten zu geben. Entweder klingt das ziemlich traurig und gedrückt oder der Oberkörper richtet sich automatisch auf, um genug Luft in die Lungen strömen zu lassen für ein fröhliches Lied. Singen erfordert eine gesunde Körperhaltung, -- einen geraden Rücken, eine entspannte Haltung und eine ruhige Atmung. Das muss man mit Kindern nicht üben. Das passiert beim Singen von allein.
Im Kindergarten werden Lieder nicht nur gesungen. Dazu wird geklatscht, getanzt oder im Rhythmus gestampft. Die gesamte Körperwahrnehmung wird auf spielerische Weise intensiviert. Die Spiel- und Bewegungsanregungen, die zu zahlreichen Liedern zu finden sind, leisten dazu einen wichtigen Beitrag.
Wer mit den Kindern im Kindergarten singt, gibt ihnen also gutes Rüstzeug mit auf den Weg. Lieder sorgen für emotionale Ausgeglichenheit, gute Körperwahrnehmung, Sprachgefühl, Begriffsbildung und helfen, Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Und damit noch nicht genug: Schweizer Forscher machten einen interessanten Versuch mit 1200 Schülern: Eine Testgruppe bekam wöchentlich fünf Stunden Musikunterricht, dafür weniger Stunden in Mathematik und der Muttersprache. Die andere Gruppe hatte nur zwei Musikstunden in der Woche. Nach drei Jahren waren die Schüler der ersten Gruppe genauso gut in Mathematik wie die der zweiten Gruppe, konnten sich aber wesentlich besser ausdrücken, länger zuhören und waren ausgeglichener.
Nutzen Sie die Kindergarten- und Grundschulzeit, um den Kindern ein Repertoire an Liedern mitzugeben. Sie tragen damit einen Schatz in sich, den Sie immer wieder brauchen können und der sie ihr ganzes Leben begleiten wird.Froh zu sein bedarf es wenig, denn wer singt, der ist ein König!









