Kinderbibelgeschichten

Erzählen mit Krippenkindern

Publiziert am 23.07.2019  von Helga Gruschka

Allererste Rollenspiele

Das Rollenspiel ist ein ideales Werkzeug zum mündlichen Erzählen mit kleinen Kindern. Egal, ob beim gemeinsamen Erzählen von bekannten Geschichten oder beim Erfinden von neuen. Der große Vorteil ist: Jedes Kind bekommt eine Rolle und kann mitmachen. So erlebt es die Geschichte sehr direkt.

Mit dem Spielen von Geschichten setzt ein Kind seine inneren Bilder in spielerische, symbolische Formen um. Die inneren Bilder werden so im Außen sinnlich erfahrbar und auch für andere sichtbar.
Beim gemeinsamen Rollenspiel unterstützen die Kinder sich gegenseitig. Sie drücken ihre Phantasie mit Sprache aus, verwenden symbolische Gegenstände und untermalen ihr Spiel mit Gesten und Bewegungen. Und so lernen sie auch, die Mimik und Gestik anderer zu verstehen und aufeinander einzugehen.

 

Das Erzählkittelchen als Mittel bei ersten Rollenspielen

Kinder lieben es, sich zu verkleiden. Beim Geschichtenerzählen hilft es, sich der eigenen Rolle bewusst zu werden – und in diesem Fall schafft das Verkleiden auch gezielt Gemeinschaft, denn alle Kinder tragen das gleiche „Kostüm“.

Jedes Kind, das am Geschichtenerzählen teilnimmt, wird mit einem Erzählkittelchen ausgestattet. Eine genaue Beschreibung und ein Schnittmuster findest du im Download weiter unten.

Die Kittelchen sollten eine schöne leuchtende Farbe haben, alle die gleiche, vielleicht passend zur Farbgestaltung der Kinderkrippe. Vermeide bunte Muster – einfarbig ist in diesem Fall Trumpf. Vorne am Bauch wird nämlich eine Tasche aus durchsichtigem flexiblem Kunststoff aufgenäht. Die Tasche ist seitlich oder oben offen. So kannst du Bilder hineinstecken, die die Rolle des jeweiligen Kindes symbolisieren.
Schon bevor die Geschichte anfängt haben die Kinder einen großen Spaß daran, die Kittelchen anzuhaben, denn sie sehen alle gleich und trotzdem so schön farbig aus.

Das Anziehen der Erzählkittelchen ist ein schönes Einstiegsritual. Es signalisiert: „Jetzt erzählen wir wieder gemeinsam.“ Vielleicht könnt ihr die Kittelchen anziehen und dann gemeinsam in euren Erzählraum oder eure Erzählecke einziehen.
Obwohl alle das gleiche Kittelchen tragen, weiß am Schluss jedes Kind, was es in dem Spiel darstellt, denn vorne in der Tasche steckt ja das Bild, das auch für alle anderen Kinder  sichtbar ist. Auch für dich als Erzähler*in ist es hilfreich, denn so behältst du den Überblick über die Rollen.

Praxisbeispiel Froschkönig

Das gekürzte Märchen vom Froschkönig eignet sich gut, um in Gemeinschaft zu erzählen und zu spielen. Bevor es losgeht, male oder kopiere die benötigten Bilder, um sie beim Erzählen zu zeigen und dann zum Spielen in die Fenstertaschen der Geschichtenkittelchen zu stecken.

Benötigte Bilder:

  • ein Schlosspark mit Bäumen
  • eine Prinzessin
  • eine goldene Kugel
  • ein Brunnen
  • ein Frosch
  • ein Prinz
  • Bäume (so viele, dass jedes Kind eine Rolle bekommt).

Beginn

 

Die Klangschale ertönt, die Kinder sitzen im Kreis und nun erzählst du zunächst einfach das Märchen. Du zeigst dabei die Bilder, erklärst sie und gehst auf Fragen ein. Zu diesem Zeitpunkt tragen die Kinder noch kein Kittelchen, aber sie werden schon einmal vertraut mit den Bildern, die später in die Taschen gesteckt werden.

Der Froschkönig - Kurzfassung

Es war einmal ein großer Garten mit glitzernden Bäumen und mitten drin stand ein Schloss. Der Garten war der Lieblingsspielplatz der wunderschönen Prinzessin.
Am liebsten spielte sie mit einer goldenen Kugel. Die Prinzessin rollte die Kugel hin und her und her und hin und freute sich, wenn die Kugel in der Sonne glänzte.
Doch eines Tages fiel ihr die goldene Kugel in den Brunnen und verschwand.
Die Prinzssin fing an zu weinen.
Da kam ein grüner Frosch dahergehüpft.
„Quak, quak!“, sagte er. „Ich kann dir deine Kugel wiederholen, wenn du mir einen Wunsch erfüllst, quak, quak.“
„Was soll ich tun?“, fragte die Prinzessin.
„Quak, du musst mich küssen, quak!“
„Nein, das kann ich nicht!“, die Prinzessin weinte noch mehr, „du bist so nass und grün und hast so ein hässliches Maul!“
„Quak, dann hole ich auch deine Kugel nicht, quak!“, sagte der Frosch und hüpfte einen Sprung rückwärts.
„Bleib da, bleib da!“, rief da die Prinzessin. „Ich tue es.“
Sie schloss die Augen, ging auf den Frosch zu und küsste ihn. Als sie die Augen wieder aufmachte, stand ein wunderschöner Prinz mit einer Krone auf dem Kopf vor ihr. Er hielt in der Hand die goldene Kugel der Prinzessin. Die Prinzessin rieb sich verwundert die Augen.
Der Prinz aber sagte: „Danke, du hast mich erlöst! Willst du mich jetzt heiraten und mit auf mein Schloss kommen?“
Die Prinzessin sagte: „Ja!“, und da wurde gleich ein lustiges Hochzeitsfest gefeiert.

Erzählen mit Erzählkittelchen

Anschließend oder beim nächsten Mal wird das Märchen dann mit den Kindern gespielt. Vorher hast du schon abgezählt, wie viele Kinder Bäume sind, damit jedes Kind mitspielen kann.
Die Kinder haben die Geschichtenkittelchen angezogen und sitzen im Kreis.

Du beginnst „Es war einmal …“ und teilst die Bäume ein. Die Bäume laufen im Kreis.

Dann erzählst du von der Prinzessin: Ein Kind bekommt das Bild von der Prinzessin ins Fenstertäschchen und eines die goldene Kugel. Beide nehmen sich bei der Hand und treten in den Kreis.

Die Kugel fällt in den Brunnen: Ein Kind bekommt das Bild vom Brunnen, nimmt die goldene Kugel bei der Hand und tritt mit ihr aus dem Kreis heraus.

Der Frosch bekommt sein Bild, hüpft zur Prinzessin und spricht mit ihr.

Nach dem Kuss hüpft der Frosch aus dem Kreis, dafür tritt der Prinz zur Prinzessin.

Zum Schluss nehmen sich alle bei der Hand, auch die Bäume, laufen im Kreis, evtl. um die ganz Kleinen herum, und singen: „Jetzt feiern wir ein Hochzeitsfest, Hochzeitsfest, Hochzeitsfest.“

Wenn du das Märchen ein paar Mal mit den Kindern gespielt hast, werden die Kinder von ganz allein spielen, etwas dazu machen, anders machen – eben spielen. Genau so soll es sein – es geht hier nicht darum, das Märchen originalgetreu wiederzugeben!
Jedes Mal, wenn du den Kindern Gelegenheit gibst, Geschichten zu hören, zu spielen, spielend zu erzählen, erzählend zu spielen, förderst du die sozialemotionale Entwicklung, die Phantasie, das kreative Handeln und die Konfliktlösung, also die Entwicklung zum „Ich“. Du gibst den Kindern Raum und Zeit zu fühlen, wer sie sind, aber auch, wer sie sein möchten.
Viele andere Märchen lassen sich in Kurzversion von den Kindern spielen, wenn sie entsprechend eingeführt werden.

Tipps:

  • Reserviere jede Woche mindestens einen festen Termin für das Geschichtenerzählen und lege dafür auch einen bestimmten Platz fest.
  • Zeige den Eltern (oder vielleicht Großeltern), wie gut die Erzählkittelchen funktionieren ? Wenn ihr eine Geschichte mehrmals gespielt habt und die Kinder sich mit der Geschichte wohlfühlen, lass die Eltern einmal für ein paar Minuten zuhören.
  • Erkläre den Eltern auch, wie das Rollenspiel innerhalb der Geschichten zu Teamgeist führt, zu Rücksichtnahme, weise sie darauf hin, dass dadurch Beziehungen entstehen und sich Gruppen und Gemeinschaften bilden. Rosinen fühlen sich mit Rosinen (im Kuchenbackspiel) solidarisch, Räuber mit Räubern (Bremer Stadtmusikanten) und alle fühlen sich verantwortlich für das ganze Spiel.


Hier gibt es das Schnittmuster des Erzählkittelchens zum Herunterladen:



Danke an Helga Gruschka für die Genehmigung der Veröffentlichung ihrer Idee im Blog.

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