Kinderspiritualität

Das Haus Gottes - Kirchenraumpädagogik, Folge 1

Publiziert am 25.06.2019  von Martina Groß

Willkommen! - Das Haus Gottes

Die Kirche, und ich meine den Ort, das Haus Gottes, besuchen wir meistens mit Kindern nur zu besonderen Anlässen, z.B. um Feste zu feiern. Kinder sind es heutzutage von zu Hause aus oft nicht mehr gewöhnt, regelmäßig Gottesdienste zu besuchen. Wir stehen dann häufig „unter Strom“, dass die Kinder sich auch „angemessen“ benehmen. Und so ist es gut, wenn die Kinder Gelegenheiten haben, sich mit dem Haus Gottes im Voraus vertraut zu machen.
Die Kirche ist ein Ort, an dem ich besonders gut mit Gott in Beziehung treten kann. Sei es in Gemeinschaft mit anderen (Gottesdienst, Feste …) oder alleine in der Stille.
Bevor es aber in den Raum geht, wollen wir das „Haus“ von außen einmal genauer betrachten.

Die Architektur

Der Baustil ist immer ein Zeichen der Zeit, in der das Gebäude erstellt wurde. Daher ist es sinnvoll, sich im Vorfeld ein wenig über die Architektur des Kirchenbaus zu informieren. Was will bzw. wollte der Architekt/Baumeister uns sagen? Das ist nicht unbedingt das, was wir bei dem Anblick des Gebäudes empfinden. Machen wir die Kirche zu der „unsrigen“, so dass wir gespannt sind, wie sie innen aussieht.



Zuallererst: Nimm dir Zeit. Mach die Kirche zu einem Ort, auf den die Kinder neugierig sind.
 

Was du an Material brauchst:

Langes Seil, Papier (DIN A 4/3), Stifte, Wachsmalkreiden, Kompass, eventuell vorbereitete (laminierte) Arbeitsaufträge, Psalmverse, Fotoapparat
 

Praxisimpulse
  • Was siehst du von der Kirche zuerst? Wo steht sie? Habt ihr eine Idee, warum sie gerade an diesem Ort steht? à Vor allem früher hat man Kirchen in die Mitte der Dörfer oder auf Hügeln gebaut, damit sie von jedem gut zu sehen sind.
  • Was befindet sich in der Nähe? (Friedhof, Gasthaus …)
  • Wie wirkt die Kirche auf dich?
  • Mit dem Kompass stellen die Kinder fest, in welche Richtung die Kirche ausgerichtet ist. Früher war der Eingang im Westen gegenüber dem Altar im Osten (Sonnenaufgang – Auferstehung Jesu).
  • Die Kinder umrunden langsam die Kirche und gehen dabei auch die Anbauten und Ecken ab. Sie zählen die Schritte. Wie lang, wie breit ist die Kirche? Welche Form hat sie? Dann nimmst du ein langes Seil und legst mit den Kindern den Grundriss. Wenn ihr ein Foto davon macht, könnt ihr später nach diesem Grundriss aus, z.B. Bausteinen, die Kirche nachbauen.
 
  • Die Kinder befühlen das Mauerwerk. Bei manchen Kirchen sieht man sehr gut die Mauersteine. Jedes Kind erhält ein Blatt Papier und Wachsmalstifte. Mit der Frottage-Technik (Blatt auf Mauer legen und mit der flachen Seite der Wachsmalkreide drüber rubbeln) haben die Kinder das „Muster“ der Steine. Später in der Kita oder Schule könnt ihr aus diesen „Steinen“ eine Kollage der Kirche gestalten.

     
  • Betrachtet das Kirchendach genau. Wie viele Kirchtürme, Türen und Fenstergibt es? Welche Verzierungen hat die Kirche außen? Heiligenfiguren etc.
  • Betrachtet das „Gesicht“, die Fassade der Kirche. Spielt: „Ich sehe was, was du nicht siehst …“ Lass die Kinder Figuren und Symbole beschreiben. Erforscht, wie die Kirche heißt. Ist der Name von außen erkennbar (z.B. durch eine Heiligenfigur)?
  • Betrachtet das Portal. Ein Kind versucht die Türe zu öffnen. Warum geht sie schwer auf? Türen sind als Einladung zu verstehen: Jesus sagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden!“ (Joh 10,9). Jesus meint damit: So wie die offene Tür uns einlädt, mit dem Kirchenraum Bekanntschaft zu machen, so hat Jesus die Menschen eingeladen, mit Gott in Beziehung zu treten, indem er Geschichten erzählte.

     
  • Die Tür, besonders wenn sie alt ist, kann ebenfalls viele Geschichte erzählen. Lass die Kinder überlegen, was sie sagen könnte? Oder du erzählst an dieser Stelle eine biblische Geschichte.

     
  • Die Fenster sind von außen oft schmucklos. Wie sehen sie wohl von innen aus. Die Kinder gestalten ein Fensterbild. Beim nächsten Besuch des Innenraums werden die Bilder verglichen.

     
  • Mach ein Detailfoto. Zeig es den Kindern und lass das Detail in der Realität suchen. Zurück in der Einrichtung vervielfältige es. Jedes Kind klebt das Bild auf die Mitte eines Blatt Papiers und gestaltet es weiter.  Oder lass die Kinder je ein Detailfoto von dem schießen, was ihnen am besten am Gebäude gefällt oder aufgefallen ist.


    Beispiel: Die Fassade und Tür der modernen Kirche Herz Jesu in München besteht aus vielen blauen Quadraten. In jedem Quadrat befinden sich verschiedene Symbole aus Nägeln, ähnlich der Keilschrift, die sich wiederholen. (Passionsgeschichte nach Johannes 18-20). Die Kinder finden heraus, wie viele verschiedene Symbolquadrate es gibt. Ältere Kinder kreieren nach einem Psalm selbst eine Symbolschrift.
  • Tipp für Schulkinder: Du kannst die Kinder in Gruppen einteilen. Die Impulse hast du einzeln als Arbeitsaufträge vorbereitet. Die Kinder „erobern“ selbstständig an Hand der Arbeitsaufträge die Kirche von außen (ähnlich Stationenarbeit).

 
Und das nächste Mal geht’s rein. Neugierg? - Am 9. Juli erscheint Teil 2 mit Praxisimpulsen für die Kirchenraumerkundung.

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