Don Bosco Verlag für Pädagogik

Leseförderung für Grundschulkinder

Publiziert am 26.09.2023  von Ingrid Semmelmann

Mit einfachen Tipps und Tricks zu mehr Lesekompetenz bei Leseanfängern

Die aktuelle „Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung“ (IGLU) bestätigt leider erneut die mangelnde Lesekompetenz von Grundschulkindern. Und dabei ist gerade diese zwingend notwendig für eine selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Warum Lesenlernen mit dem Laufenlernen vergleichbar ist und welche Tipps und Tricks zu mehr Lesekompetenz führen, verrät unsere Autorin Ingrid Semmelmann. Außerdem stellt sie eine spielerische Methode zur Leseförderung vor, die auch in heterogenen Gruppen leicht umgesetzt werden kann.

Lesenlernen als Prozess

Wenn Kinder das Laufen lernen, dauert es mehrere Monate, und bis zum ersten Schritt benötigen sie immer wieder Unterstützung. Für Eltern ist das eine Selbstverständlichkeit: Sie nehmen das Kind an die Hand oder bei längeren Strecken auf den Arm. Ähnlich ist es beim Lesenlernen: Auch hier handelt es sich um einen längeren Übungsprozess, der von Erwachsenen begleitet werden sollte. Aber wie kann eine gute Leseförderung gelingen?

Vorbildfunktion der Erwachsenen

Kinder brauchen gute Vorbilder. Lesen Sie also in der Gegenwart Ihrer Kinder oder auch gerne gemeinsam. Das Vorlesen hat ohnehin eine wesentliche Bedeutung und es sollte damit nicht aufgehört werden, wenn Kinder anfangen, selbst zu lesen oder bereits in die Grundschule gehen. Wir sollten unsere Kinder nicht zu früh mit dem Lesen allein lassen. Kinder lesen anfangs nicht, weil es zu anstrengend für sie ist. Durch fehlende Übung bleibt es mühsam und Kinder lesen nicht. Kinder sollten immer wieder an die Hand genommen werden, indem Texte beispielsweise abwechselnd oder mit verteilten Rollen gelesen werden.

Leseanlässe im Alltag schaffen

Der Alltag bietet viele Möglichkeiten, Leseanlässe zu schaffen: die Hinweisschilder bei einem Stadtrundgang, den Einkaufszettel im Supermarkt, die Speisekarte im Lokal oder die Bauanleitung für ein neues Spielzeug daheim. So empfinden Kinder das Lesen nicht als lästige Pflicht und machen die Erfahrung, dass das Lesen ein adäquates Mittel ist, sich Wissen anzueignen und sich so die Welt zu erschließen. Eine Möglichkeit stellt auch der regelmäßige Büchereibesuch dar. Kinder sollten hier selbstbestimmt aussuchen dürfen. So können neben bereits bekannten Themen auch neue Interessensgebiete aufgespürt werden.

Die Kraft der (W-)Orte

Schaffen Sie eine gute Leseatmosphäre. „Du musst noch lesen!“, ist ein äußerst ungünstiger Einstiegssatz. Lesen sollte keine Strafe sein, ohne Druck und in einer angenehmen Umgebung erfolgen. Zuhause kann das Lesen als schönes Ritual in den Alltag integriert werden, beispielsweise abends vor dem Schlafengehen. In der Schule gibt es die Möglichkeit, angenehme Leseorte in Form von Ruheinseln zu schaffen, die mit bequemen Sesseln oder Sitzsäcken ausgestattet werden und mit ausgewählten Büchern zum Verweilen und Lesen einladen.

Keine Angst vor Comics & Co

Anfängliche Leseschwierigkeiten können leichter überwunden werden, wenn das Thema eines Textes mitreißend ist. Wenn Kinder beispielsweise ausschließlich Comics lesen, können Sie damit zufrieden sein: Es wird gelesen und darum geht es zunächst. Empfehlenswert ist es, Bücher aus einer Reihe anzubieten. Sollte hier der erste Band gefallen, haben Sie direkt weitere Bände, die das Kind gerne lesen wird. Aufgrund der zahlreichen Illustrationen bieten sich auch Zeitschriften als Lektüre an. Die Lesetexte sind nicht zu lang und durch die zahlreichen Illustrationen sehr ansprechend. Für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf (auch bei Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Störung) gibt es spezielle Titel, die Inhalte mit vereinfachten Lesetexten anbieten.

Leseförderung im Klassenzimmer – eine Ideensammlung für den Unterricht

Auch für den Unterricht gilt: Motivation ist alles! Lesemotivation kann sowohl durch eine schülerorientierte Themen- und Textauswahl sowie durch den Einsatz von handlungsorientierten Methoden (szenisches Umsetzen, spielerische Auseinandersetzung, Vorlesemorgen …) erreicht werden. Auch können Internetportale (Antolin, Onilo …) genutzt werden. Aktivitäten rund ums Buch wie etwa die Arbeit mit Lesekisten oder die Organisation einer Lesenacht bieten die Möglichkeit, auf Bücher aufmerksam zu machen und die Neugierde am Lesen zu wecken.

Als besonders ansprechende Variante soll hier das sogenannte „Leseaquarium“ Erwähnung finden: In einem ausrangierten Aquarium (alternativ ein großer (Schuh-)Karton) wird ein (Bilder-)Buch etwa im Eingangsbereich der Schule oder auch im Klassenzimmer präsentiert. Das Aquarium kann passend zum Thema der Lektüre ansprechend dekoriert werden. Jeden Tag wird eine Seite umgeblättert. So erhalten die Schülerinnen und Schüler häppchenweise neue Informationen, kommen ins Gespräch über den Inhalt des Buches und sind neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte.

Wie jedem Kindern gerecht werden? Spielerische Leseförderung mit der Erzählschiene

Die Ergebnisse der IGLU-Studie haben erneut aufgedeckt, dass der Anteil der leseschwachen Kinder weiter zugenommen hat. Für den Unterricht stellen heterogene Gruppen eine besondere Herausforderung dar: Aber wie soll man den unterschiedlichen Leseniveaus in einer Klasse gerecht werden? Hier lässt sich die Erzählschiene gut einsetzen, indem in Kleingruppen ein Text zur Präsentation vorbereitet wird:

  • Zunächst wird der Lesetext (im Idealfall im Vorfeld durch die Lehrkraft) aufgeteilt. So kann bereits bei der Einteilung das individuelle Leseniveau der Schüler:innen berücksichtigt werden.
  • Dann geht es ans Üben, damit der Text anschließend flüssig vorgelesen werden kann. Folgende Fragen sollten dabei in der Gruppe geklärt werden: An welchen Stellen soll mit der Stimme variiert werden? Wo im Text können passsende Geräusche eingebaut werden? Wer übernimmt die Rolle des Erzählers?
  • Abschließend wird der Text vor der Klasse mithilfe der Erzählschiene präsentiert.

Neben der Erzählschiene können Sie diese Methode auch gut mit Spielfiguren umsetzen. Sicherlich bringen Ihre Schüler:innen gerne entsprechende Schätze aus dem Kinderzimmer passend zum Thema eines Lesetextes mit. Mehr Lesemotivation geht eigentlich nicht!

Viel Spaß beim Ausprobieren!

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