Religionsunterricht: Ruhezone im Advent

Publiziert am 19.11.2019

Alle Jahre wieder: „Weihnachts-Wahnsinn“ vs. „Besinnlichkeit“

Der Advent ist eine ganz besondere Zeit: Familien schmücken ihre Wohnungen, backen Plätzchen, besuchen Weihnachtsmärkte. Zugleich werden viele Menschen alljährlich vom Weihnachtsstress eingeholt: Geschenke müssen besorgt und verpackt werden, Weihnachtsmenüs sind zu planen, Festtagskleidung wird gekauft und Lehrer/innen lassen die Kinder vor den Ferien „noch schnell“ ein paar Klassenarbeiten und Tests schreiben. In dieser erwartungsvollen und zugleich hektischen Zeit kann der Religionsunterricht einen Ort der Besinnung darstellen.

Adventsrituale langsam einführen

Der Religionsunterricht beginnt bei mir immer im Sitzkreis. Wir kommen zusammen, erfahren Gemeinschaft und versuchen Ruhe zu finden. In der Adventszeit dekorieren wir stets die gleiche Kreismitte. Diese ist schön anzusehen, beinhaltet wichtige Adventssymbole und -bräuche und lässt zugleich (durch ihre überschaubare Größe) eine Themenvertiefung ringsherum zu. In der ersten Adventsstunde erkläre ich das Gestalten der Kreismitte und lasse die Kinder beim Dekorieren assistieren. Bedeutungen verwendeter Symbole und Bräuche werden gemeinsam wiederholt und vertieft. Das ist wichtig, damit die Schüler/innen beim künftigen Gestalten der Kreismitte wissen, warum sie bestimmte Sätze sprechen und Gegenstände hinlegen.

Es entsteht ein besinnlicher Stundenbeginn im Sitzkreis

Wenn die Kinder in der ersten Stunde zugeschaut haben, können sie in der darauffolgenden Woche meist alle Aufgaben selbstständig erfüllen. Ich verteile alle Gegenstände sowie entsprechende Satzstreifen an die Kinder, lege das blaue Stofftuch (das symbolisiert die Nacht, das Dunkle) in die Mitte und spreche den Satz „Jesus ist geboren – das Licht in der Dunkelheit“. Nun werden die Kinder aktiv. Entsprechend den nummerierten Satzstreifen liest jeweils ein Kind die Bedeutung eines Gegenstandes / einer Aktion vor, welcher nun von einem anderen Kind in die Kreismitte gelegt bzw. welche ausgeführt wird. So werden ein kleines Haus, Sterne, ein Adventskalender sowie vier Adventskerzen platziert. Dabei werden folgende Sätze gesprochen:

1. Aufstellen des Hauses: „Im Winter ist es lange dunkel. Wir machen es uns zu Hause gemütlich und genießen die Adventszeit.“

2. Anordnen der Sterne: „Wenn wir abends aus dem Fenster schauen, sehen wir die Sterne funkeln. Ein Stern zeigte den Weisen den Weg zur Krippe. Auch wir sind auf dem Weg, Gott in unserem Leben zu finden.“

3. Aufstellen und Öffnen des Adventskalenders: „Der Adventskalender steht für das Warten. Wir warten auf den Weihnachtsabend, die besonders schönen Tage mit unseren Familien und die Geschenke.“

4. Aufstellen der Krippe: „Aber die Geschenke sollten an Weihnachten nicht im Mittelpunkt stehen. Die Krippe macht deutlich, was wir an Weihnachten feiern: die Geburt Jesu. Gott wird Mensch.“

5. Aufstellen der Kerzen: „Die roten Adventskerzen stehen für die vier Adventssonntage. Das Rot symbolisiert die Liebe zwischen uns Menschen und zwischen Gott und uns.

6. Anzünden der Kerze/n: „Je näher Weihnachten rückt, desto heller wird es. Jesus wird geboren und bringt Licht in die Welt.“

Anschließend singen wir passende Strophen des Liedes „Wir sagen euch an den lieben Advent“.

 

Das Ritual wirkt – auch in mir

Dieses Ritual des gemeinsamen Dekorierens der Kreismitte sowie das anschließende Singen gefällt nicht nur den Kindern. Es schenkt auch mir selbst, als Lehrerin, eine Möglichkeit der Besinnung auf das Wesentliche, einen Augenblick der inneren Ruhe. Es gehört zu den besonderen Momenten, in denen der Unterricht das eigene Herz berührt. Herrlich, kann ich absolut weiterempfehlen!

 

Anna Rätz, 31, ist stellvertretende Schulleiterin in einer Dresdner Grundschule. Neben vielen schulorganisatorischen Tätigkeiten brennt ihr Herz für das Fach Religion. Sich mit Kindern über Gott, biblische Geschichten und das soziale Miteinander auszutauschen, ist immer wieder spannend, erfrischend und bereichernd.

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