Was das Leben ausmacht

Publiziert am 04.04.2019  von Gernot Candolini

Ich sitze auf der Bank neben dem Labyrinth und lese. Es ist ein warmer Badetag, die Besucher der Gartenschau werden erst gegen Abend kommen. Halb im Gesichtsfeld sehe ich meine zweijährige Tochter, wie sie konzentriert die Bahnen des Labyrinths geht. In der Mitte angekommen, setzt sie sich auf den Mittelstein, hebt ihre kleinen Hände in die Höhe und sagt ein einziges Wort: „Ich“.
Mir läuft die Gänsehaut über den Nacken. Für einen Augenblick saß dieses kleine Kind in der Mitte der Welt.
Ich habe daraus gelernt, Kinder – vor allem kleine Kinder, die durch ein Labyrinth gehen, nicht zu stören, sie niemals zur Eile zu rufen oder ungeduldig zu sein und auch jede scheinbar hilfreiche Anleitung zu unterlassen. Die Erfahrungen, die sie selbst beim Gehen machen, können unschätzbar wertvoll sein. Als meine zweite Tochter drei Jahre alt war, habe ich sie gefilmt, als sie durch ein Labyrinth ging. Ich schaue mir das Video heute noch gerne an, weil auch da wieder so viel zu sehen ist, was das Leben ausmacht.


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