Aktionstabletts mit Alltagsmaterialien für die Krippe

Publiziert am 13.02.2024  von Melanie Buttenmüller

Aktionstabletts fördern die Entwicklung von Kindern in vielerlei Hinsicht und von klein auf. Melanie Buttenmüller und Milena Lück erklären, was bei der Vorbereitung und beim Einsatz der Tabletts zu beachten ist, und geben vielfältige Ideen, wie diese schon für Kinder unter 3 gestaltet werden können.

Aktionstabletts für jeden Entwicklungsschritt

Damit ihr Einsatz gut gelingt, stellen Fachkräfte einem Kind Aktionstabletts zur Verfügung, die es in seinem nächsten Entwicklungsschritt unterstützen. Dabei bauen Tabletts klassischerweise aufeinander auf und ermöglichen so schrittweise Lernerfahrungen. Auch ein Blick auf die sogenannten sensiblen Phasen nach Maria Montessori kann hilfreich für die Auswahl passender Aktionstabletts sein. Zwischen 0 und 6 Jahren gehören hierzu Sprache, Ordnung, Sinneswahrnehmung, kleine Gegenstände, Anmut und Höflichkeit, räumliche Beziehungen.

Allgemeine Regeln zur Verwendung

Für den Einsatz von Aktionstabletts gibt es nur wenige grundlegende Regeln:

  • Die Tabletts werden von der Fachkraft vorbereitet und ansprechend zur Verfügung gestellt, sodass das Kind selbstständig auf das jeweilige Tablett zugreifen kann (vorbereitete Umgebung).
  • Die Materialien sind in der Regel selbsterklärend, sodass es keiner weiteren Erläuterung durch die Fachkraft bedarf. Außerdem geben die Materialien den Kindern eine direkte Rückmeldung über die „richtige“ Verwendung.
  • An einem Tablett arbeitet immer nur ein Kind – es sei denn, es lädt von selbst ein anderes Kind ein, gemeinsam mit ihm tätig zu werden.
  • Es gibt in der Regel keine Zeitbeschränkung. Erst wenn ein Kind das Material ausschöpfend bearbeitet hat und das Interesse verliert, findet ein Wechsel statt.

Die konkrete Handlung im Fokus

Schon Krippenkinder begreifen diese Regeln schnell und fordern sie oft regelrecht ein. Im geschützten Rahmen können sich die Kinder ohne Zeitdruck, in einem eigenen Raum (und sei dieser nur so groß wie ein Tablett), ohne teilen zu müssen einem Material widmen. Das schafft die Möglichkeit, im oft lauten und stressigen Krippenalltag konzentriert und fokussiert einer konkreten Handlung nachzugehen. Maria Montessori spricht hier von der „Polarisierung der Aufmerksamkeit“. Auch die aktuelle Resilienzforschung zeigt, wie wichtig die Fähigkeit ist, ganz im Moment sein zu können.

Ideen für Aktionstabletts in der Krippe

Eingießen – von Linsen über Reis zu Wasser

  • Material: eine kindgerechte Kanne mit Linsen, Reis oder Wasser; ein bis zwei Becher
  • Aktion: Das Kind übt seine Feinmotorik über das immer feiner werdende Material bis zum selbstständigen Einschenken von Wasser in ein Glas – eine Fähigkeit, die es stolz mit in den Alltag nimmt.
  • Alter / Entwicklungsphase: ab ca. 1,5 Jahren / Das Kind interessiert sich für das Schütten und Einfüllen von Flüssigkeiten.

Schütten und Einfüllen mit Linsen, Reis, Haferflocken

  • Material: eine Wanne mit Linsen, Reis oder Haferflocken; zwei bis drei kleine Gefäße; unterschiedliche (Schöpf-)Löffel
  • Aktion: Hier werden Schütten, Einfüllen und Umfüllen geübt, bis das selbstständige Schöpfen am Mittagstisch gelingt.
  • Alter / Entwicklungsphase: ab ca. 15 Monaten / Das Kind interessiert sich für das Schütten und Löffeln.

Öffnen und Schließen von Drehverschlüssen

  • Material: drei bis fünf verschiedene Gefäße und Flaschen; ein Schälchen mit den zugehörigen Schraubdeckeln
  • Aktion: Das Kind stellt sich der Herausforderung des Drehverschlusses.
  • Alter / Entwicklungsphase: ab ca. 12 Monaten / Das Kind interessiert sich für Verschlüsse und möchte Flaschen und Becher selbstständig schließen und öffnen.

Schneiden und Kleben mit Papierstreifen

  • Material: ca. 2 cm breite Papierstreifen (z.B. von altem Büropapier); Schere; evtl. Kleber
  • Aktion: Die Papierstreifen eignen sich für die ersten Kontakte mit der Schere. Sie werden vom Kind mit einem einfachen Schnitt in kleine Schnipsel geschnitten. Auf einem zweiten Tablett können mit Klebstoff aus den Schnipseln tolle Bilder entstehen, entweder frei oder mithilfe von einfachen, vorgezeichneten Formen, die thematisch zum Interesse des Kindes, zur Jahreszeit etc. passen.
  • Alter / Entwicklungsphase: ab ca. 2 Jahren / Das Kind beherrscht motorisch das Halten einer Schere (ggf. mit Unterstützung der Fachkraft) und interessiert sich für das Zerteilen von Materialien.

Farbliches Sortieren mit Quetschie-Deckeln

  • Material: eine Schale mit verschiedenfarbigen Quetschie-Deckeln; Schälchen in den Deckelfarben
  • Aktion: Die Deckel von sogenannten „Quetschies“ laden zum farblichen Sortieren in die passenden Gefäße ein. Schwieriger wird es, wenn die Deckel auf vorher mit passenden Farben aufgemalte Punkte gelegt werden sollen oder das Zählen mit ihnen geübt wird.
  • Alter / Entwicklungsphase: ab ca. 12 Monaten bzw. ab ca. 2 Jahren / Das Kind interessiert sich dafür, Gefäße aus- und einzuräumen und Dinge zu sortieren (einfache Variante). Das Kind interessiert sich für unterschiedliche Farben und Kombinationsspiele wie Puzzles (komplexere Variante).

Sortieren von Naturmaterialien

  • Material: eine Schale mit Naturmaterialien wie Steine, Kastanien, Nüsse; unterschiedliche Schälchen; ggf. gezeichnete Vorlage; ggf. Nussknacker
  • Aktion: Jüngere Kinder sortieren die Materialien in kleinere Schälchen. Ältere Kinder legen damit vorgezeichnete Formen (z.B. eine Spirale) nach, wodurch sie wieder „in die eigene Mitte“ finden können. Noch ältere Kinder knacken mithilfe eines kindgerechten Nussknackers Walnüsse und sortieren Schalenteile und Kerne in zwei Schälchen.
  • Alter / Entwicklungsphase: ab ca. 12 Monaten bzw. ab ca. 2 Jahren / Das Kind interessiert sich dafür, Gefäße aus- und einzuräumen und Dinge zu sortieren (einfache Variante). Das Kind interessiert sich für Formen bzw. für technische Geräte und möchte selbstständig Nahrungsmittel vorbereiten (komplexere Varianten).

Raum für Kreativität und Variation

Bei der Vorbereitung von Aktionstabletts kann immer wieder auf die vielfältigen Materialien zurückgegriffen werden, die in Kindertageseinrichtungen, zu Hause oder in der Natur bereits vorhanden sind. Einfache Neukombinationen von bereits zuvor verwendeten Materialien schaffen für die Kinder neue Lernanreize. So können Fachkräfte gemeinsam mit den Kindern immer neue Ideen für passende Aktionstabletts entwickeln.

 

Die Autorinnen

Melanie Buttenmüller, Sozialpädagogin (B.A.), Fachkraft für fomulaernährte Säugline (FES) und Stillberaterin, Fenkid-Kursleitung, Dozentin in der berufsbegleitenden Ausbildung von pädagogischen Fach- und Ergänzungskräften, konzeptionelle Gesamtleitung der Zuckertag GmbH, www.zuckertag.de
Milena Lück, Erzieherin, Montessori-Pädagogin, pädagogische Gesamtleitung der Zuckertag GmbH, www.zuckertag.de

 

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